Vorerst kein Abriss des Ernst-Grube-Stadions

Foto: Ambross07/CC BY-SA 4.0
Foto: Ambross07/CC BY-SA 4.0

Riesa. Das Schicksal des seit mehr als 20 Jahren leerstehenden Ernst-Grube-Stadions in Riesa ist wieder offen. Eigentlich soll die marode Sportstätte abgerissen werden. Doch ein Antrag auf Prüfung der Denkmalwürdigkeit hat die Abrisspläne zunächst ausgebremst. Das Landesamt für Denkmalpflege untersucht inzwischen die historische Bedeutung des Stadions.

DDR-Fußball und markante Tribüne

Das Stadion blickt auf eine besondere Sportgeschichte zurück. Zu DDR-Zeiten wurde hier Fußball in der höchsten Spielklasse ausgetragen. Bis heute prägt vor allem die markante, freitragende Haupttribüne das inzwischen stark verfallene Areal. Seit über zwei Jahrzehnten wird die Anlage nicht mehr regulär genutzt. Entsprechend deutlich sind die Spuren des Leerstands. Gleichzeitig besitzt das Stadion aus sporthistorischer und architektonischer Sicht offenbar Merkmale, die eine genauere denkmalrechtliche Betrachtung rechtfertigen.

Umfangreiche Bauakten aufgetaucht

Die Prüfung des Landesamtes gestaltet sich aufwendiger als zunächst erwartet. Nach Angaben der Behörde sind während der Recherche unerwartet umfangreiche historische Unterlagen aufgetaucht. Darunter befinden sich mehrere Ordner mit Bauakten aus der Entstehungszeit des Stadions. Die Dokumente sollen nun sorgfältig ausgewertet werden. Erst anschließend kann entschieden werden, ob die Anlage beziehungsweise Teile davon tatsächlich die Voraussetzungen für einen Denkmalschutz erfüllen.

Stadt steht vor schwierigem Dilemma

Für Riesa verschärft sich damit ein ohnehin schwieriges Problem. Das Stadion ist seit Jahren ungenutzt und verursacht Kosten, während eine umfassende Sanierung angesichts des Zustands enorme finanzielle Mittel erfordern würde. Ein Denkmalschutz könnte einen Abriss erheblich erschweren oder verhindern. Nach dem sächsischen Denkmalschutzgesetz dürfen Kulturdenkmale grundsätzlich nur mit Genehmigung der Denkmalschutzbehörde verändert oder beseitigt werden. Damit könnte aus einer vermeintlichen Abrissfläche plötzlich eine langfristige denkmalpflegerische Aufgabe werden.

Abriss oder Erhalt?

Noch ist die Entscheidung nicht gefallen. Die Denkmalbehörde will die historische Bedeutung zunächst abschließend bewerten. Für das Ernst-Grube-Stadion bedeutet das vor allem eines: Die Abrissbirne muss vorerst warten. Der Fall steht exemplarisch für den schwierigen Umgang mit Sportstätten aus der DDR-Zeit. Was für die einen eine ungenutzte und teure Ruine ist, kann für andere ein wichtiges Zeugnis der Sport-, Architektur- und Stadtgeschichte sein. Ob das Ernst-Grube-Stadion am Ende verschwindet oder als Denkmal eine zweite Chance bekommt, ist deshalb wieder völlig offen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert