VEB Chemiehandel wird zurückgebaut

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Dresden. Jahrelang war das Gelände an der Rosenstraße 77 ein toxisches Erbe der DDR-Zeit – jetzt wird es zum Pilotprojekt für nachhaltige Bodensanierung. Mit exakt 4.819.991,41 Euro aus EU-Fördermitteln kann die Stadt Dresden eine systematische Sanierung der rund 15.000 Quadratmeter großen Fläche in Angriff nehmen. Am Montag übergab Bela Bélafi, Präsident der Landesdirektion Sachsen, den offiziellen Förderbescheid an Oberbürgermeister Dirk Hilbert.

Die Altlasten stammen aus der Zeit, als auf dem Gelände ein Lager- und Umschlagplatz des VEB Chemiehandel betrieben wurde. Jahrzehntelange industrielle Nutzung hat zu massiven Kontaminationen in Boden, Grundwasser und Gebäuden geführt. Seit der Jahrhundertflut 2002 hatte die Stadt erste Sicherungsmaßnahmen ergriffen – jetzt folgt die vollständige Sanierung.

Abbruch, Bodenaustausch, Mikrosanierung

Die bestehenden Gebäude sind wegen hoher Luftschadstoffbelastung unbenutzbar. Das Sanierungskonzept sieht deshalb den kompletten Rückbau der verbliebenen Bausubstanz vor. Zusätzlich werden belastete Bodenschichten entfernt, darunter auch tiefer liegende kontaminierte Zonen unterhalb der alten Bodenplatten.

Kern des Projekts ist jedoch der Einsatz eines mikrobiologischen Verfahrens, das erstmals in Dresden großflächig zur Anwendung kommt: Spezielle Mikroorganismen – darunter das auf Chlorverbindungen spezialisierte Bakterium Dehalococcoides – werden ins Grundwasser injiziert und bauen dort hochtoxische LHKW-Schadstoffe ab. Unterstützt wird der Prozess durch organische Substrate, zusätzliche Wirkstoffe und den fortlaufenden Betrieb der Grundwasserreinigung. Das spart der Stadt jährlich rund 220.000 Euro Betriebskosten.

Förderprojekt mit Zukunftsperspektive

Die EFRE-Förderung deckt rund 77 Prozent der geplanten Gesamtkosten in Höhe von 6,26 Millionen Euro. Der Baustart erfolgte bereits im Februar 2025, der Abschluss ist für Ende 2026 vorgesehen. Bis Ende 2027 soll das Gelände vollständig saniert und nachnutzbar sein – insbesondere für das Gründer- und Gewerbezentrum der Dresdner Gewerbehofgesellschaft, die bereits Interesse signalisiert hat.

Ein Teil des Areals wird auch der Natur zurückgegeben: 15 Prozent der Fläche – rund 2.250 Quadratmeter – werden als Grünanlage gestaltet, was die städtische Förderung zusätzlich ökologisch abrundet.

„Wir befreien uns mit diesem Projekt nicht nur von einer langjährigen Belastung, sondern schaffen neuen Raum für Stadtentwicklung und Innovation“, erklärte Oberbürgermeister Hilbert. Das Projekt an der Rosenstraße ist ein Meilenstein der Altlastensanierung in Sachsen – und könnte künftig als Modell für ähnliche Problemflächen dienen.

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