Berlin. Ein geplanter Abriss im Berliner Stadtteil Wedding muss erneut verschoben werden – der Grund: brütende Spatzen. Das seit Jahren baufällige Mietshaus in der Burgsdorfstraße, nur einen Steinwurf von der SPD-Zentrale entfernt, darf wegen möglicher Haussperlingsnester bis Ende der Vogelschutzzeit am 30. September nicht abgerissen werden.
Acht Jahre Stillstand – jetzt Baustopp wegen Artenschutz
Seit 2017 ist das Gebäude wegen akuter Einsturzgefahr unbewohnbar. Der Verfall schritt weiter voran, Teile der Fassade stürzten auf den Gehweg, die Straße wurde für den Verkehr gesperrt – nur Fußgänger dürfen noch passieren. Nun sollte endlich der Abriss erfolgen. Ein Spezialbagger mit 24-Meter-Ausleger war bereits bestellt – doch der Einsatz wurde kurzfristig gestrichen.
Hintergrund ist ein Verdacht auf brütende Haussperlinge, die durch offene Fenster in das Gebäude gelangt sein könnten. „Ein Artenschutz-Fachbeitrag ist notwendig“, erklärte Jana Sczodrok, Sprecherin des Bezirksamts Mitte. Bis dahin sind Nester und Brutstätten gesetzlich geschützt – Abrissarbeiten sind untersagt.
Nachbarschaft frustriert – Kunden bleiben weg
Die Verzögerung trifft vor allem die Anwohner hart. Youssef Bassam, Betreiber eines nahegelegenen Barbershops, zeigt sich enttäuscht: „Früher hatte ich mehr Laufkundschaft. Jetzt ist die Straße gesperrt, Parkplätze fehlen, und mein Geschäft leidet.“ Auch andere Nachbarn hoffen, dass sich endlich etwas bewegt.
Vor Ort tut sich aktuell wenig: Ein kleiner Kettenbagger verteilt lediglich eine dünne Erdschicht – mehr ist aufgrund der Einsturzgefahr nicht möglich. Das Innere des Gebäudes bleibt unzugänglich, der Zugang ist massiv verriegelt. Spekuliert wird, dass nur Drohnen mit Wärmebildtechnik das Innere auf Lebewesen untersuchen könnten.
Abriss frühestens im August
Wie lange sich der Abriss verzögert, ist unklar. Laut Bezirksamt wird aktuell Mitte August als frühester Zeitpunkt für den Beginn der eigentlichen Arbeiten genannt – nach Ende der Brutzeit. Ein ähnlicher Fall sorgte bereits im Februar im Prenzlauer Berg für Schlagzeilen: Dort konnte der Abriss einer Tribüne erst beginnen, nachdem Ausweich-Nisthilfen für Vögel installiert worden waren.
