Oldenburg. Der viel diskutierte Verdacht der illegalen Sondermüllablagerung auf dem ehemaligen Schießstand des Fliegerhorstgeländes ist laut eines unabhängigen Gutachtens nicht haltbar. Der Altlasten-Sachverständige Georg Karfusehr von der Firma „Groundsolution“ widerspricht in zentralen Punkten dem von der Staatsanwaltschaft beauftragten Gutachten – und entkräftet damit zugleich Berichte über Umweltgefahren für das geplante Wohnquartier.
Keine Hinweise auf Giftstoffe oder illegalen Müll
Karfusehr, Diplom-Geologe und erfahrener Altlastenexperte, hat die Untersuchungsergebnisse der Bodenproben im Auftrag der Stadt geprüft. Seine klare Aussage: Es gibt keine Belege dafür, dass große Mengen an schadstoffbelastetem Ziegelschutt, asbesthaltigen Baustoffen oder treibstoffverseuchtem Erdreich illegal abgelagert wurden. Weder aus den Akten noch aus der technischen Analyse des vorliegenden Gutachtens lasse sich ein solcher Vorwurf stützen.
Medienberichte über giftige Massen unbestätigt
In Medien war wiederholt von bis zu 15.000 Tonnen belastetem Material die Rede. Doch die Realität sieht laut Karfusehr anders aus: In den gezogenen 33 Bodenproben, entnommen aus sechs Aushubstellen, seien in 19 Fällen keine Schadstoffe nachgewiesen worden. Zwar enthielten einige Proben Asbest oder PAK (Polyzyklische Aromatische Kohlenwasserstoffe), doch nicht in einem Ausmaß, das auf eine flächendeckende illegale Entsorgung schließen lasse. Die gefundenen Materialien stammten vielmehr aus der planmäßigen Sanierungsverfüllung.
Kritik an der Interpretation der Ermittlungsbehörde
Der vom Gericht beauftragte Gutachter hatte von einem „ungeordneten Rückbau“ gesprochen. Für Karfusehr eine Fehleinschätzung. Die Sanierungsarbeiten seien von der Unteren Bodenschutzbehörde angeordnet und kontrolliert gewesen, das Vorgehen sei „gesetzeskonform und nachvollziehbar“, so der Sachverständige.
Bodenrecht statt Abfallrecht – Keine öffentliche Gefahr
Auch rechtlich sei die Situation eindeutig: Die eingesetzten Materialien seien nach bodenrechtlichen Vorgaben eingebaut worden, nicht als Abfall zu werten – eine Unterscheidung mit weitreichenden Konsequenzen. Der Bereich bleibt ohnehin wegen möglicher Munitionsreste dauerhaft gesperrt und unzugänglich für die Öffentlichkeit.
Keine Gefahr für Mensch und Umwelt
Die abschließende Bewertung fällt deutlich aus: „Keine Gefahr für das neue Wohnquartier, keine Gefahr für das Grundwasser – und kein Sanierungsbedarf“, so Karfusehr. Die von ihm geprüften Daten stützen damit die Einschätzung der Stadtverwaltung, die bereits zuvor keine Umweltgefahr gesehen hatte. Auch die angeblich nicht korrekt entsorgten Asphaltmassen aus dem Straßenrückbau konnten eindeutig zu einer zugelassenen Deponie zurückverfolgt werden.
Die großen Vorwürfe halten einer detaillierten Prüfung nicht stand. Der Schießstand ist – aus umwelttechnischer Sicht – kein Skandal, sondern ein Beispiel für planmäßige Altlastensanierung.
