Neuer Verkaufsversuch für marodes Gutshaus

Foto: A.Savin/CC BY-SA 3.0
Foto: A.Savin/CC BY-SA 3.0

Sperenberg. Das historische Gutshaus in Sperenberg steht erneut zum Verkauf. Auf dem Immobilienportal Immonet wird das denkmalgeschützte Gebäude aktuell als „majestätisches Gutshaus mit historischem Charme“ angepriesen – samt Grundstück für einen Gesamtpreis von 199.000 Euro. Der Quadratmeterpreis liegt damit bei rund 324 Euro. Doch der Preis täuscht: Es handelt sich um ein Angebotsverfahren, ein Kauf wird erst mit Grundbucheintrag rechtskräftig.

Der Bau stammt aus dem frühen 20. Jahrhundert und wurde einst vom Kommissionsrat und Immobilienmakler Carl Richter errichtet. Heute ist von der einstigen Pracht nicht mehr viel übrig. Zwar zeigen aktuelle Bilder im Exposé, dass zumindest aufgeräumt wurde – Fenster sind mit OSB-Platten verschlossen, das Gelände umzäunt –, doch der Zustand des Hauses bleibt besorgniserregend.

Noch vor einem Jahr dokumentierten Drohnenaufnahmen offenstehende Türen, fehlende Fenster und ein durchlöchertes Dach. Vandalen hatten sich immer wieder Zugang verschafft, Überreste von Feiern und illegale Partys zeugen von der langen Zeit der Vernachlässigung. Das Gutshaus war unter Fans von „Lost Places“ ein beliebtes Ziel.

Immobilienexperte Tim Grebe aus Zossen kennt das Haus gut. Schon vor über zehn Jahren sah er von einem Kauf ab. Heute sagt er: „Das müsste man für einen Euro anbieten – in der Hoffnung, dass jemand zwei dafür zahlt.“ Der Zustand sei so desolat, dass eine Sanierung kaum noch wirtschaftlich erscheine.

Dennoch gibt es Hoffnung vor Ort. In Sperenberg wünscht man sich eine Zukunft für das ehemalige Prunkstück, das lange als Kinderheim, Schulhaus und Büro genutzt wurde. Eine Visualisierung der Maklerfirma Re/Max zeigt das Gebäude in saniertem Zustand mit gepflegter Toreinfahrt – ein Bild, das aktuell weit von der Realität entfernt ist. Im Inserat ist von rund 615 Quadratmetern vermietbarer Fläche die Rede. Ob dies realistisch ist, bleibt fraglich.

„Der Verfall dauert schon viel zu lange“, sagt Doreen Schulze, Vorsitzende des Bauausschusses der Gemeinde Am Mellensee. „Es wird höchste Zeit, dass sich jemand dem Gebäude annimmt – bevor es endgültig zu spät ist.“

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