Bonn/Cuxhaven/Hannover. Das Schicksal des im September vor der Insel Scharhörn geborgenen Kaiser-U-Boots U 16 ist geklärt: Nach mehr als 100 Jahren auf dem Grund der Nordsee wird das historische Wrack nun archäologisch untersucht und teilweise erhalten. Rund ein Viertel des U-Bootes bleibt für die Nachwelt erhalten und wird künftig in mehreren Museen in Deutschland ausgestellt.
Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) und die Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) entschieden gemeinsam, die geborgenen Teile an ausgewählte Museen und Forschungseinrichtungen zu übergeben. Eine vollständige Bergung und Erhaltung des stark korrodierten Wracks war wegen seines Zustands nicht möglich.
U 16 war 1911 gebaut worden und sollte nach dem Ersten Weltkrieg gemäß den Auflagen des Versailler Vertrags an die Alliierten übergeben werden. Doch 1919 sank es bei der Überführung nach England – offiziell durch eine Eiskollision. Neue Erkenntnisse deuten jedoch darauf hin, dass das Boot möglicherweise absichtlich versenkt wurde, um seine Technik den Briten zu entziehen.
Technisches Denkmal von nationaler Bedeutung
Das Wrack wurde vom Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege als bewegliches Kulturdenkmal eingestuft. Forscher bezeichnen U 16 als „missing link“ zwischen frühen Prototypen wie U 1 und den hochentwickelten U-Booten des Zweiten Weltkriegs. Besonders das hybride Antriebssystem – eine Kombination aus Elektromotoren und Petroleummaschinen – gilt als Meilenstein der Marinegeschichte.
Die Bergung war notwendig, weil das Wrack drohte, in eine vielbefahrene Fahrrinne abzurutschen. Anschließend wurde es in Cuxhaven auf einem Ponton gesichert und digital dreidimensional erfasst. Dabei bot sich Forschenden ein seltener Einblick in die militärtechnische Entwicklung des frühen 20. Jahrhunderts.

Historische Technik für die Öffentlichkeit
Etwa 25 Prozent des Wracks werden konserviert und museal genutzt. Das Fahrzeug- und Technikmuseum Benneckenstein zeigt künftig den mittleren Rumpfteil mit Turm und Innenausstattung, während das Militärhistorische Museum der Bundeswehr in Dresden die vorderen Torpedorohre erhält. Weitere Teile gehen an das Aeronauticum Nordholz, das Stadtmuseum Hagen, das Wrackmuseum „Windstärke 10“ in Cuxhaven sowie an mehrere maritime Sammlungen in Wilhelmshaven und Hamburg.
Zudem untersuchen Forschungseinrichtungen wie die TU Clausthal und die Universität Magdeburg Materialproben, um die damaligen Fertigungstechniken zu rekonstruieren. Alle beteiligten Museen sind verpflichtet, ihre Exponate für Forschung und Wanderausstellungen zugänglich zu machen – damit die Öffentlichkeit ein Stück Marinegeschichte hautnah erleben kann.
U 16 offenbart laut Experten eine „technologische Schatzkammer“ aus der Frühzeit des U-Boot-Baus – und gibt erstmals Antworten auf ein Jahrhundert-Rätsel der deutschen Marinegeschichte.
