Lost Place in Altes Lager steht zum Verkauf

Foto: Clemensfranz/CC BY-SA 3.0
Foto: Clemensfranz/CC BY-SA 3.0

Altes Lager. Auf dem ehemaligen Militärflugplatz Altes Lager bei Niedergörsdorf steht eine außergewöhnliche Immobilie zum Verkauf. Das Land Brandenburg bietet rund 42,4 Hektar des früher militärisch genutzten Areals an. Zum Verkaufsobjekt gehören insgesamt 31 Flurstücke, die in elf Parzellen gebündelt sind – darunter vier historische, denkmalgeschützte Flugzeughallen. Das Verkaufsverfahren läuft bereits seit Mai 2025. Einen festen Kaufpreis hat das Land nicht festgelegt. Bislang konnte jedoch keine der angebotenen Flächen veräußert werden. Nach Angaben der Brandenburgischen Bodengesellschaft (BBG) befinden sich sämtliche rund 423.838 Quadratmeter weiterhin im Angebot.

Interesse vorhanden – doch die Nutzung ist umstritten

Dass sich bislang kein Käufer gefunden hat, bedeutet nicht, dass das Gelände unbeachtet bleibt. Die BBG berichtet von einer Vielzahl potenzieller Interessenten. Besonders Unternehmen aus dem Bereich Solarenergie zeigen Interesse an den Flächen. Die Vorstellungen der Gemeinde Niedergörsdorf gehen allerdings in eine andere Richtung. Sie möchte das Areal nach Möglichkeit für Industrie und Gewerbe entwickeln. Im Mittelpunkt stehen dabei Unternehmen, die dauerhaft Arbeits- und Ausbildungsplätze schaffen. Damit prallen unterschiedliche Interessen aufeinander: Auf der einen Seite steht die wirtschaftliche Verwertung einer riesigen Konversionsfläche, auf der anderen die Suche nach einer nachhaltigen gewerblichen Nutzung.

Vier Hangars als Relikte des Militärflugplatzes

Besonders markant sind die vier denkmalgeschützten Flugzeughallen. Sie erinnern an die militärische Geschichte des Standorts, der bereits in den 1930er-Jahren für die deutsche Luftwaffe ausgebaut wurde. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs übernahmen sowjetische Streitkräfte den Flugplatz. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Gelände erheblich erweitert und militärisch genutzt. Erst mit dem Abzug der sowjetischen beziehungsweise russischen Truppen nach der Wiedervereinigung endete die militärische Ära. 1994 ging das Gelände in die Verantwortung des Landes Brandenburg über. Seitdem steht die zivile Konversion des ehemaligen Militärstandorts im Mittelpunkt. Die Entwicklung gestaltet sich jedoch schwierig.

Denkmalschutz macht Sanierung kompliziert

Die vier Flugzeughallen wurden bislang nicht grundlegend saniert. Nach Angaben der BBG befinden sich die Gebäude in einem ihrem Alter entsprechenden Zustand und werden regelmäßig verkehrsgesichert. Eine umfassende Sanierung soll erst erfolgen, wenn feststeht, welcher zivilen Nutzung die Hallen künftig dienen. Veränderungen an den denkmalgeschützten Gebäuden sind grundsätzlich möglich, müssen jedoch mit der zuständigen Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden. Auch beim Verkauf gelten besondere Bedingungen: Wegen ihrer Erschließung sollen die vier Hallen nicht einzeln, sondern jeweils als Zweierpakete veräußert werden.

Altlasten und Kampfmittel als große Herausforderung

Die historische Nutzung hinterlässt allerdings nicht nur denkmalgeschützte Gebäude. Wie bei vielen ehemaligen Militärflächen gibt es auch in Altes Lager erhebliche Altlasten- und Kampfmittelrisiken. Nach dem Abzug der sowjetischen Truppen wurden innerhalb des heutigen Bebauungsplangebiets insgesamt 15 Altlastverdachtsflächen erfasst. Darunter befanden sich unter anderem ehemalige Tankstellen, Tanklager, Betankungsanlagen sowie Ablagerungen von Abfällen und Sonderabfällen. Ein besonders problematischer Bereich war das frühere Tanklager 2. Dort war Kerosin in das Grundwasser gelangt. Zwischen 1999 und 2002 wurde die sogenannte Kerosinphase abgeschöpft. Seit 2008 wird der Standort regelmäßig kontrolliert.

2,1 Millionen Euro bereits in Altlasten investiert

Die Sanierung der militärischen Hinterlassenschaften hat das Land Brandenburg bereits erhebliches Geld gekostet. Nach Angaben der BBG wurden allein für die Abfall- und Altlastenbearbeitung rund 2,1 Millionen Euro aufgewendet. Zusätzlich flossen öffentliche Mittel in Bauleitplanung, Erschließung und Parzellierung des Areals. Für einen potenziellen Käufer bedeutet das dennoch nicht automatisch, dass sämtliche Risiken beseitigt sind. Das Verkaufsexposé weist die Grundstücke als Kampfmittelverdachtsfläche aus. Aufgrund der früheren militärischen Nutzung können sich im Boden weiterhin Munition, Sprengstoffe und andere Schadstoffe befinden.

Käufer trägt grundsätzlich Verantwortung für Kampfmittel

Wie groß die tatsächliche Belastung einzelner Grundstücke ist, lässt sich öffentlich nur eingeschränkt nachvollziehen. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst der Polizei Brandenburg veröffentlicht keine detaillierten Angaben zu einzelnen Grundstücken. Die entsprechende Verdachtsflächenkarte ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt. Grundsätzlich liegt die Verantwortung für die Kampfmittelräumung beim jeweiligen Eigentümer. Werden tatsächlich Kampfmittel gefunden, ist deren Abholung und Vernichtung dagegen kostenfrei.

Für Investoren bedeutet das: Der Kaufpreis allein dürfte bei der wirtschaftlichen Bewertung des Geländes nicht die entscheidende Größe sein. Untersuchungen, mögliche Räumungen, Sanierungen und denkmalrechtliche Vorgaben können die spätere Entwicklung erheblich beeinflussen.

Umgebung zeigt, dass Konversion möglich ist

Dass eine zivile Nutzung des ehemaligen Flugplatzgeländes grundsätzlich funktionieren kann, zeigen bereits Beispiele aus der näheren Umgebung. Der sogenannte Shelter Albrecht – eine Ende der 1960er-Jahre errichtete Bogendeckung für Kampfflugzeuge – wurde ab Ende der 1990er-Jahre zu einem Wohn- und Modellprojekt mit einer Ausstellung zur Geschichte des Flugplatzes entwickelt. Auch der nahegelegene Secret Forest nutzt Teile des ehemaligen Militärgeländes für Veranstaltungen und Festivals. Damit existieren bereits unterschiedliche Ansätze für eine zivile Nachnutzung der einst militärisch abgeschirmten Flächen.

Zukunft des Lost Place bleibt offen

Die vier historischen Flugzeughallen stehen dennoch sinnbildlich für die schwierige Entwicklung vieler ehemaliger Militärstandorte in Brandenburg. Jahrzehnte nach dem Ende der militärischen Nutzung sind große Flächen noch immer nicht vollständig einer neuen Bestimmung zugeführt. Der Verkauf des rund 42 Hektar großen Areals könnte nun einen neuen Anlauf ermöglichen. Ob am Ende Solaranlagen, Industrie- und Gewerbebetriebe oder eine völlig andere Nutzung entstehen, ist derzeit offen.

Das Gelände bietet enormes Entwicklungspotenzial – gleichzeitig treffen Denkmalschutz, Altlasten, Kampfmittelverdacht, hohe Baukosten und unterschiedliche Vorstellungen über die künftige Nutzung aufeinander. Genau diese Mischung macht den ehemaligen Militärflugplatz Altes Lager zu einer ungewöhnlichen, aber auch anspruchsvollen Immobilie.

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