Zwei bedeutende Industrieanlagen in der Lausitz – das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde und die Brikettfabrik Schwarze Pumpe – sind vom Land Brandenburg offiziell unter Denkmalschutz gestellt worden. Das bestätigte das Landesamt für Denkmalpflege auf Anfrage. Beide Bauten wurden bereits im März in das Denkmalverzeichnis aufgenommen.
Erhalt der Industriekultur
Die Behörde betonte, dass es sich um prägende Zeugnisse der regionalen Industriekultur handelt. Laut Landesamt ist der Denkmalwert der Anlagen so eindeutig, dass kein Ermessensspielraum bestand. Besonders hervorgehoben wird der architektonische und kulturgeschichtliche Wert: So gilt die Brikettfabrik als ein Beispiel für die kontinuierliche Weiterentwicklung moderner Industriearchitektur, während das Kraftwerk Jänschwalde als letztes vollständig erhaltenes Großkraftwerk der DDR ein bedeutendes industriegeschichtliches Zeugnis darstellt.
Widerstand aus dem Unternehmen
Die Lausitzer Energie AG (Leag), Eigentümerin beider Anlagen, zeigte sich zurückhaltend. Zwar habe man erste Gespräche mit dem Denkmalamt geführt, wolle aber zum laufenden Verfahren vorerst keine weiteren Kommentare abgeben. Deutlicher äußerte sich der Konzernbetriebsrat: Man verfolge andere Pläne für die Standorte – neue industrielle Nutzungen seien vorgesehen, keine museale Nutzung. Betriebsratsvorsitzender Uwe Teubner warnte, dass der Denkmalschutz Investitionen und Umbauten erschweren könne.
Denkmalschutz als Chance für Wandel
Das Landesamt widerspricht dieser Einschätzung. Eine weitere Nutzung sei nicht nur erlaubt, sondern erwünscht. Die Entscheidung solle vielmehr den Rahmen für eine Transformation schaffen, bei der der kulturelle Wert der Standorte bewahrt wird. Beispielsweise sei das Kraftwerk Jänschwalde auch wegen seiner städtebaulichen Geschlossenheit besonders erhaltenswert – anders als vergleichbare Anlagen wie das Kraftwerk Boxberg, das baulich stark verändert wurde.
Nutzung und Zukunftsperspektiven
Beide Anlagen sind derzeit noch in Betrieb, allerdings in eingeschränkter Form. Das Kraftwerk Jänschwalde wurde zwischen 1976 und 1989 errichtet und ursprünglich mit sechs Blöcken betrieben. Zwei davon wurden bereits 2018 und 2019 stillgelegt, der vollständige Ausstieg ist für 2028 vorgesehen. Die Brikettfabrik Schwarze Pumpe ist die letzte ihrer Art in Deutschland und gilt als besonders modern. Sie blieb auch in jüngster Vergangenheit – etwa in der Energiekrise nach dem russischen Angriff auf die Ukraine – ein wichtiger Produktionsstandort.
Die denkmalrechtliche Einstufung dieser beiden Industrieanlagen unterstreicht nicht nur deren historischen Wert, sondern stellt auch neue Weichen für einen bewussten Wandel in der Lausitzer Energielandschaft.
