Bad König. Ein erneuter Vorfall hat das Gelände der seit Jahren leerstehenden Odenwaldklinik in Bad König (Hessen) erschüttert: Am Montagabend geriet ein Teil der Anlage in Brand. Die Polizei geht derzeit von Brandstiftung aus. Laut Zeugenaussagen sollen sich kurz vor dem Feuer mehrere Kinder und Jugendliche auf dem Grundstück aufgehalten haben. Die Ermittlungen laufen.
Feuer in leerstehender Klinik – Küche beschädigt
Gegen 19:50 Uhr ging bei der Rettungsleitstelle die Meldung über eine Rauchentwicklung in der verlassenen Klinik in der Waldstraße ein. Die Feuerwehr war schnell zur Stelle und konnte den Brand rasch unter Kontrolle bringen. Wie die Polizei mitteilte, war eine ehemalige Großküche betroffen. Der Brand selbst war eher ein Schwelbrand, hatte jedoch erhebliche Auswirkungen: Hitze und Ruß beschädigten die Bausubstanz, darunter Decken, Fenster und Mobiliar. Die Polizei schätzt den Schaden auf einen niedrigen fünfstelligen Betrag.
Zeugen sehen flüchtende Jugendliche
Mehrere Zeugen beobachteten zur Tatzeit vier Kinder oder Jugendliche, die sich offenbar in der Nähe des Brandorts aufgehalten hatten und nach Ausbruch des Feuers in Richtung Bahnhof flüchteten. Die Gruppe soll aus jungen Personen im Alter zwischen etwa zwölf und 15 Jahren bestanden haben. Sie wurden auf eine Körpergröße von etwa 1,60 Meter geschätzt und beschrieben als südländisch aussehend. Einer der Jugendlichen soll ein weißes Hemd getragen haben.
Die Kriminalpolizei in Erbach (Kommissariat 10) hat die Ermittlungen übernommen und bittet um Hinweise aus der Bevölkerung. Wer Beobachtungen gemacht hat oder Angaben zur Identität der Jugendlichen machen kann, wird gebeten, sich unter der Telefonnummer 06062-9530 zu melden.
„Lost Place“ ohne Sicherheit: Anziehungspunkt für Neugierige
Die verlassene Odenwaldklinik ist in der Region schon länger als sogenannter „Lost Place“ bekannt. Besonders Kinder, Jugendliche und Urbexer (Urban Explorer) nutzen das weitläufige Gelände regelmäßig als Abenteuerspielplatz. Das Gebäude ist weitgehend ungesichert: Es gibt weder eine Kameraüberwachung noch einen Wachdienst. Die Polizei wurde in der Vergangenheit bereits mehrfach gerufen, weil Unbefugte auf dem Gelände gesichtet wurden – jedoch konnte bislang niemand festgenommen werden.
Die Klinik war 2016 von der Landesregierung für eine Nutzung als Flüchtlingsunterkunft vorbereitet worden, wurde aber nie bezogen. 2019 wurde das Areal für 1,6 Millionen Euro an eine Gesellschaft mit Sitz in Sassnitz verkauft. Seither steht das Gebäude leer und verfällt zusehends.
Eigentümer insolvent – Zwangsversteigerung steht bevor
Inzwischen ist bekannt geworden, dass die Käufergesellschaft Insolvenz angemeldet hat. Die Folge: Das Grundstück soll zwangsversteigert werden. Ein Termin für die Auktion steht bislang jedoch noch nicht fest.
Die Stadt Bad König beobachtet die Entwicklung mit wachsendem Interesse. Bürgermeister Frank Hofferbert erklärte zuletzt, man wünsche sich einen zuverlässigen Investor, der eine nachhaltige und tragfähige Nutzung des Areals verfolgt. Ob auch ein direkter Erwerb des Grundstücks durch die Stadt infrage kommt, ließ er bislang offen. Es gebe jedoch verschiedene Ideen zur zukünftigen Nutzung des Klinikgeländes.
Sorge um weitere Vorfälle
Die jüngsten Ereignisse verstärken die Sorge vieler Anwohner, dass das leerstehende Gelände zunehmend zum Sicherheitsrisiko wird. Neben Brandgefahr und Vandalismus wächst auch die Angst vor Unfällen – schließlich halten sich immer wieder Kinder und Jugendliche in den baufälligen Gebäuden auf. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht, solange die Eigentumsverhältnisse ungeklärt bleiben.
Die Stadt hofft nun auf eine baldige Entscheidung im Zwangsversteigerungsverfahren und eine neue Perspektive für das einstige Gesundheitszentrum mitten im Odenwald.
