Mitten im rheinischen Braunkohlerevier, bei Grevenbroich in Nordrhein-Westfalen, stand jahrzehntelang ein Gigant der deutschen Stromproduktion: das Kraftwerk Frimmersdorf. Über Jahrzehnte hinweg war es ein Synonym für wirtschaftlichen Aufschwung, industrielle Power – und später auch für Umweltdebatten und Strukturwandel.
Aufstieg eines Energie-Titanen
Die Geschichte beginnt in den 1950er-Jahren, einer Zeit des Wiederaufbaus. Deutschland brauchte Energie – viel Energie. Und das Rheinische Revier, reich an leicht abbaubarer Braunkohle, war wie gemacht dafür. 1955 wurde das Kraftwerk Frimmersdorf in Betrieb genommen, zunächst mit vier Blöcken, später ausgebaut auf insgesamt 15. Mit einer elektrischen Gesamtleistung von über 2.400 Megawatt gehörte es zeitweise zu den größten Kohlekraftwerken Europas.
Der Betriebsalltag war geprägt vom Takt der Förderbänder, den dampfenden Kühltürmen und dem stetigen Strom aus dem Generator. Tausende Arbeiter, Techniker und Ingenieure machten Frimmersdorf zu einem Herzstück der deutschen Energieversorgung – und zu einem bedeutenden Arbeitgeber der Region.
Vom Fortschrittsmotor zum Umweltsünder
Doch mit der Zeit veränderte sich der Blick auf Braunkohle. Die einst gefeierte Ressource wurde zunehmend zum Symbol für Umweltbelastung und klimaschädliche Emissionen. Besonders das Kraftwerk Frimmersdorf geriet in den Fokus: In einem Greenpeace-Bericht aus den 2000er-Jahren wurde es gar als eines der „schmutzigsten Kraftwerke Europas“ bezeichnet – wegen seines vergleichsweise hohen CO₂-Ausstoßes pro erzeugter Kilowattstunde.
Technisch war das Werk längst überholt. Während moderne Kraftwerke effizienter arbeiteten, blieb Frimmersdorf im Wesentlichen ein Produkt der Nachkriegszeit – robust, aber nicht nachhaltig.

Abschied mit Ansage
Der politische und gesellschaftliche Wandel ließ nicht auf sich warten. Der Kohleausstieg wurde beschlossen, Fördermittel für den Strukturwandel bereitgestellt – und Frimmersdorf wurde Schritt für Schritt vom Netz genommen. 2017 endete der reguläre Betrieb, 2021 schließlich war Schluss: Die letzten Blöcke wurden abgeschaltet.
Was bleibt, ist ein imposanter Baukörper – und die Frage nach der Nachnutzung. Es gibt Pläne: Die Fläche soll für innovative Energieprojekte und Gewerbeentwicklungen genutzt werden. Vielleicht entsteht hier ein neues Kapitel der Energiegeschichte, diesmal klimafreundlich.
Zukunfts.Kraftwerk Frimmersdorf Strategie GmbH
Anfang des Jahres haben die Stadt Grevenbroich, der Rhein-Kreis Neuss und die landeseigene Entwicklungsgesellschaft NRW.URBAN GmbH in Vertretung für das Land Nordrhein-Westfalen im Alten Rathaus in Grevenbroich den Gesellschaftsvertrag und die Gesellschaftervereinbarung für die Gründung der „Zukunfts.Kraftwerk Frimmersdorf Strategie GmbH“ unterzeichnet. Mit dieser wegweisenden Partnerschaft wird ein bedeutender Schritt zur nachhaltigen Transformation des Kraftwerkstandorts Frimmersdorf unternommen.
Die neue Gesellschaft, an der die Stadt Grevenbroich und der Rhein-Kreis Neuss jeweils 45 Prozent sowie NRW.URBAN 10 Prozent der Anteile halten, übernimmt die strategische Steuerung des Projekts. Ziel ist es, das ehemalige Kraftwerksgelände Frimmersdorf in einen innovativen Gewerbe- und Transformationsstandort zu entwickeln. Unter dem Leitbild „Vergangenheit trifft Zukunft“ soll das Areal künftig als Zentrum für digitale Innovation, Forschung und Entwicklung sowie kulturelle und gewerbliche Nutzungen dienen.
Planungen für das Kraftwerk
Im Zentralen Kraftwerksbau, einer imposanten 550 Meter langen Maschinenhalle mit über 115.000 m² Nutzfläche, ist als Hauptnutzung die Errichtung von Data-Centern geplant. Hier möchte das Land Nordrhein-Westfalen unter anderem ein Rechenzentrum für den IT-Dienstleister des Landes Nordrhein-Westfalen (IT.NRW) ansiedeln. Darüber hinaus soll die Maschinenhalle neben einer Büronutzung für Lehre, Forschung und Entwicklung auch als einzigartiger Veranstaltungsraum für z.B. Messen und Konzerte genutzt werden. In den ersten vier Kraftwerksblöcken ist die Einrichtung eines Denkmalpfades des Landschaftsverbandes Rheinland geplant.
