Umbau des DDR-Großbetriebs „Vorwärts“ wird zum Problemfall

Foto: LAKD-MV/LD/A. Bötefür
Foto: LAKD-MV/LD/A. Bötefür

Schwerin. Seit Jahrzehnten steht das ehemalige Kraftfahrzeuginstandsetzungswerk „Vorwärts“ in der Schweriner Weststadt leer. Aus dem einst größten Betrieb seiner Art in der DDR soll ein Schaumagazin für moderne Kunst werden. Doch das ambitionierte Umbauprojekt kommt nicht voran: Die Kosten sind deutlich gestiegen, die Bauarbeiten verzögern sich erneut. Statt des erhofften Aufbruchs droht dem historischen Industriekomplex weiterer Stillstand.

Vom DDR-Großbetrieb zur Industriebrache

Das Kraftfahrzeuginstandsetzungswerk „Vorwärts“, kurz KIW, war ein bedeutender Standort der DDR-Fahrzeugwirtschaft. Hier wurden Nutzfahrzeuge sowie zivile und militärische Fahrzeuge instand gesetzt. Vor der Abwicklung im Jahr 1990 beschäftigte der Betrieb mehr als 800 Menschen.

Die heutige Anlage entstand zwischen 1954 und 1963. Zu den markanten Gebäuden gehören eine rund 14.000 Quadratmeter große Reparaturhalle mit charakteristischem Sheddach, ein fünfgeschossiges Verwaltungsgebäude sowie verschiedene Versorgungs- und Sozialbauten. Die Architektur dokumentiert den Wandel vom traditionellen Bauen der frühen DDR-Jahre zur sachlichen, modernen Industriesprache der Nachkriegszeit. Die Landesdenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern würdigte das Ensemble 2025 als Denkmal des Monats.

Visualisierung: Max Dudler GmbH
Visualisierung: Max Dudler GmbH

Kunst statt Werkstattbetrieb

Die Stadt Schwerin will Teile des ehemaligen Werks zu einem Schaumagazin für moderne Kunst umgestalten. Dort sollen Kunstwerke gelagert, erforscht und öffentlich zugänglich gemacht werden. Führungen, Ausstellungen und Veranstaltungen sollen das Depot zu einem kulturellen Anziehungspunkt entwickeln. Auch Angebote für Familien und Kinder sind vorgesehen. Das Projekt soll damit nicht nur einen lange ungenutzten Gebäudekomplex wiederbeleben, sondern auch einen neuen kulturellen Ort für die Stadt schaffen. Für das Vorhaben wurden bereits Bundesmittel bewilligt: 2023 erhielt Schwerin einen Fördermittelbescheid über 4,7 Millionen Euro aus dem Bundesprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“.

Schadstoffe treiben die Kosten nach oben

Schon 2025 zeichnete sich ab, dass die ursprünglichen Kalkulationen nicht ausreichen würden. Statt der zunächst veranschlagten fünf Millionen Euro wurden damals rund 7,5 Millionen Euro für den Umbau genannt. Als Gründe führte die Stadt unter anderem allgemeine Baukostensteigerungen und eine stärker als erwartet ausgeprägte Schadstoffbelastung an. Doch damit sind die Schwierigkeiten nicht beendet. Nach aktuellen Medienberichten wird der Baubeginn erneut verschoben. Das Land fordert eine erneute Prüfung von Baugrund und Statik, obwohl bereits eine Baugenehmigung vorgelegen haben soll. Der Baustart ist demnach frühestens Anfang 2027 möglich.

Für ein Projekt, das einer jahrzehntelang brachliegenden Industrieanlage eine neue Zukunft geben soll, ist das ein empfindlicher Rückschlag. Jede weitere Verzögerung bedeutet, dass die Gebäude länger auf ihre Umnutzung warten müssen und die Planung unter zusätzlichem Kosten- und Zeitdruck steht.

Ein Denkmal zwischen Erhalt und Stillstand

Das KIW „Vorwärts“ ist mehr als eine große Werkhalle mit leer stehenden Nebengebäuden. Das Ensemble erzählt von der industriellen Organisation der DDR, von Arbeitswelten und von einer Architektur, die technische Funktionalität mit den gestalterischen Vorstellungen ihrer Zeit verband. Gerade die Kombination aus älteren, traditionell geprägten Bauten und den späteren modernen Hallen macht den Standort baugeschichtlich bemerkenswert. Die Herausforderung besteht nun darin, den denkmalwürdigen Bestand nicht nur zu sichern, sondern dauerhaft mit einer tragfähigen Nutzung zu verbinden. Das geplante Schaumagazin könnte dafür einen wichtigen Impuls liefern. Zugleich ist für weitere Gebäude des Areals noch keine endgültige Nutzung festgelegt.

Foto: Tmv23/CC BY 4.0
Foto: Tmv23/CC BY 4.0

Die Zukunft bleibt vorerst offen

Der Umbau des ehemaligen KIW steht beispielhaft für die Schwierigkeiten, die bei der Wiederbelebung großer Industrieanlagen auftreten können: Schadstoffe, komplexe Tragwerke, steigende Baukosten und langwierige Prüfverfahren treffen auf den politischen und gesellschaftlichen Anspruch, historische Bausubstanz zu erhalten.

Der geplante Kulturstandort ist damit noch nicht gescheitert. Doch der erneute Aufschub zeigt, wie weit der Weg von der Idee zur tatsächlichen Nutzung sein kann. Für das ehemalige „Vorwärts“-Werk bedeutet das vor allem eines: Der ersehnte Neustart lässt weiter auf sich warten.

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