Schwerin. Von einer noblen Vision bleibt nur Verfall: Einst versprach ein aufwendig produzierter Werbefilm ein exklusives Wohnerlebnis im historischen Jagdschloss Friedrichsthal bei Schwerin. Heute, Jahre später, steht das denkmalgeschützte Gebäude leer – verwahrlost, beschädigt, und ohne erkennbare Zukunft.
Mit fließenden Kamerabewegungen und stimmungsvoller Musik wurde das Projekt 2019 öffentlich präsentiert: Das Schlossensemble an der B104 sollte für rund fünf Millionen Euro in zwölf luxuriöse Eigentumswohnungen verwandelt werden. Die Stadt stimmte dem Konzept zu, Baugenehmigung und Denkmalschutzauflagen wurden erfüllt. Doch obwohl der Baubeginn für 2019 vorgesehen war, ist bis heute keine Sanierung erfolgt. Stattdessen: zerbrochene Fenster, Graffiti, ein offener Bauzaun – und Jugendliche, die sich das historische Gelände regelmäßig erschließen.
Eine Geschichte voller Brüche
Das 1790 erbaute Anwesen blickt auf eine bewegte Nutzungshistorie zurück – vom Sommerhaus über ein Jagdschloss bis hin zu Heimen für Kriegswaisen und ältere Menschen. Seit 1993 steht das Gebäude leer. Zahlreiche Eigentümerwechsel, ambitionierte Ankündigungen und geplatzte Pläne prägen das letzte Jahrzehnt. So auch die aktuelle Besitzgesellschaft: die Bohnhorst Landhandel GmbH aus Niedersachsen. Öffentlich geäußert hat sie sich zum Projekt bislang nicht.
Auch der einst beauftragte Makler erklärt auf Nachfrage, seit Jahren keinen Kontakt mehr zu den Investoren zu haben. Die Vermarktung sei für ihn abgeschlossen. Dennoch wird der Bauantrag bis heute immer wieder verlängert. Konkrete Maßnahmen zum Schutz des Gebäudes? Fehlanzeige.
Von der Imagewelt zur Realität
Besonders bitter wirkt der Kontrast zum damaligen Werbefilm: Von „Leichtigkeit“ und „edler Wohnkultur“ ist darin die Rede, von einem Ort, der „Geschichte und Moderne vereint“. Die Realität? Ein Lost Place. Der Film wirkt heute wie ein Artefakt aus einer anderen Zeit – einer Zeit, in der das Projekt noch glaubhaft erschien.
Ein Denkmal ohne Plan
Trotz bestehendem Baurecht ist unklar, ob jemals gebaut wird. Die Stadt hat ihre Genehmigungen erteilt – doch ohne Engagement der Eigentümer bleibt sie machtlos. Denkmalrechtliche Maßnahmen zur Sicherung werden bislang nicht durchgesetzt.
Das Jagdschloss Friedrichsthal ist mehr als nur ein marodes Gebäude – es steht exemplarisch für gescheiterte Investorenprojekte, fehlende Kontrolle und eine Stadtentwicklung, die an ihren eigenen Visionen scheitert. Je länger der Stillstand anhält, desto ungewisser wird die Zukunft dieses einst prachtvollen Ortes.
