Güstrow. Jahrelang lag das 32 Hektar große Areal der ehemaligen Zuckerfabrik in Güstrow still – trotz zahlreicher Versprechungen und ambitionierter Investorenpläne. Jetzt aber zeichnet sich ein echter Neuanfang ab: Die Enon Gesellschaft mit Sitz in Putlitz plant, auf dem Gelände ein modernes Umschlagterminal für Schienengüterverkehr zu errichten.
Seit der Schließung der Zuckerfabrik im Jahr 2008 und ihrem Abriss ein Jahr später gab es immer wieder große Visionen für das Gelände: Klärschlammverwertung, Bioethanolproduktion, Fischzucht – alles Projekte, die letztlich im Sande verliefen. Nun scheint sich erstmals ein belastbarer Plan zu konkretisieren.
Güstrows Bürgermeister Sascha Zimmermann (FDP) ließ bereits durchblicken, dass die Enon Gesellschaft auf dem Gelände aktiv wird – auch wenn das Unternehmen selbst offiziell noch schweigt. Laut Zimmermann will Enon nicht nur das Gelände pachten, sondern dort auch in Infrastruktur investieren. Geplant ist ein Rail Port samt Werkstatt und Logistikfläche. Bereits im Sommer sollen die ersten drei Züge mit insgesamt 6.000 Tonnen Schüttgut in Güstrow umgeschlagen werden – vorausgesetzt, die letzten Genehmigungen liegen vor.
Seit Jahresbeginn war zu beobachten, dass sich etwas bewegt: Mitarbeiter des Güstrower Bauhofs und des Unternehmens legten gemeinsam alte Gleisanlagen auf dem Gelände frei. Lange blieb unklar, wer hinter dem Projekt steht. Nun ist klar: Es handelt sich um Enon – ein Unternehmen, das bundesweit im Schienengüterverkehr aktiv ist und über eigene Lokomotiven und Umschlagkapazitäten verfügt.
Offiziell gibt Enon keine Details preis. Erst zur geplanten Eröffnung Ende August wolle man an die Öffentlichkeit treten. Umso deutlicher zeigt sich Bürgermeister Zimmermann überzeugt: Enon biete Transportlösungen aus einer Hand und könne Güstrow wirtschaftlich voranbringen. Von neuen Arbeitsplätzen und Steuereinnahmen ist bereits die Rede.
Im Güstrower Stadtparlament wurde zuletzt noch zur Vorsicht gemahnt. SPD-Fraktionschef Hans-Georg Kleinschmidt warnte davor, das „einmalige Filetstück“ vorschnell zu vergeben. Eine langfristige und nachhaltige Entwicklung müsse Vorrang haben – nicht der kurzfristige Verkauf an den Meistbietenden.
Ob das Enon-Projekt tatsächlich die Wende bringt, bleibt abzuwarten. Doch erstmals seit Jahren gibt es greifbare Schritte, die mehr sind als bloße Ankündigungen. Mit dem geplanten Rail Port könnte die Barlachstadt eine wirtschaftlich wichtige Logistikdrehscheibe im regionalen Schienengüterverkehr werden.
