Denkmalpreis für Eigentümer der alten Parteischule

Foto: Stadt Erfurt
Foto: Stadt Erfurt

Erfurt. Für seine außergewöhnliche Sanierungsleistung an einem baulichen Erbe der DDR wird Andreas Müller in diesem Jahr mit dem renommierten Deutschen Preis für Denkmalschutz ausgezeichnet. Der Eigentümer der einstigen Parteihochschule der SED – heute ein modernes Bildungs- und Wissenschaftszentrum der Bundesfinanzverwaltung – wird Anfang November im Rathaus Schöneberg in Berlin offiziell geehrt.

Die denkmalgerechte Sanierung des Gebäudekomplexes in der Werner-Seelenbinder-Straße in Erfurt, 1972 ursprünglich als Internatsschule für Kaderbildung errichtet, gilt mittlerweile als Musterbeispiel für den verantwortungsvollen Umgang mit Architektur der späten Nachkriegszeit. Schon im Juni war das Projekt mit dem Thüringer Denkmalschutzpreis ausgezeichnet worden.

Baugeschichte mit politischer Vergangenheit

Der Gebäudekomplex blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Nach der Wende diente er als Übergangsstandort für die neu gegründete Fachhochschule Erfurt, später entwickelte er sich zu einem vielfältig genutzten Ort – von Kulturveranstaltungen bis hin zu Wohnraum. Zahlreiche originale Einrichtungsgegenstände blieben dabei erhalten, wodurch sich ein fast musealer „Zeitkapsel“-Charakter einstellte.

Neues Leben für altes Erbe

Mit dem Einzug des Zentrums der Zollverwaltung gelang dem Investor Müller schließlich eine anspruchsvolle Umnutzung, die sensibel auf die vorhandene Architektur einging. Die baulichen Anforderungen passten fast ideal zum Bestand, sodass weitreichende Erhaltungen möglich waren. Fast 130 neue Schülerappartements wurden dezent ergänzt, ohne die charakteristische Gesamtform des Ensembles zu stören. Auch die Innengestaltung, von originalem Mobiliar bis hin zum denkmalgeschützten Klubraum, wurde liebevoll instand gesetzt.

Erfurts Stadtbild profitiert

Für die Stadt Erfurt bedeutet das Projekt nicht nur den Zuzug einer weiteren Bundesinstitution, sondern auch die dauerhafte Aufwertung eines bislang vernachlässigten Areals. Dr. Mark Escherich von der städtischen Denkmalpflege lobt das Vorhaben als wegweisend: „Hier wurde gezeigt, dass auch ungeliebte DDR-Bauten Potenzial haben – man muss es nur heben wollen.“

Parkanlage mit Kaskaden wird reaktiviert

Ein besonderes Augenmerk liegt nun auf der Wiederherstellung der ehemaligen Parkanlage mit ihrer großzügigen Treppenanlage und einer für die 70er Jahre typischen Springbrunnenkaskade. Fördermittel von Bund und Land wurden bereits zugesagt – die Renaissance des Ensembles schreitet weiter voran.

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