Luckenwalde. Die verkohlten Überreste der einst renommierten Kunsthalle in Luckenwalde stehen sinnbildlich für eine Hängepartie, die nicht nur Anwohner, sondern auch potenzielle Investoren zunehmend frustriert. Einer von ihnen: Maximilian Hägen, Betreiber des benachbarten Hotels und Restaurants „Vierseithof“. Er hat dem Eigentümer der Ruine jetzt ein klares Angebot gemacht – und wartet bislang vergeblich auf eine Antwort.
Hägen blickt tagtäglich auf das zerstörte Gebäude und macht aus seinem Ärger keinen Hehl: „Wie lange soll diese Schande noch das Stadtbild prägen?“ Am 13. Dezember 2022 war die Kunsthalle auf dem Gelände der alten Volltuchfabrik durch ein Feuer schwer beschädigt worden. Der strafrechtliche Prozess gegen den mutmaßlichen Verursacher läuft noch, doch auch ohne Urteil ist für Hägen klar: Es muss endlich etwas passieren.
Ein-Euro-Angebot für eine neue Kulturvision
Per E-Mail unterbreitete der Hotelier dem Eigentümer Georg Kieslinger, einem Berliner Notar und Anwalt, ein ungewöhnliches, aber eindeutiges Angebot: Die Immobilie solle – samt der ausgezahlten Versicherungsentschädigung – für symbolische einen Euro an ihn oder an eine gemeinnützige Organisation übergehen. Ziel: Die Ruine soll saniert, der Standort wieder zu einem kulturellen Anziehungspunkt werden.
„Nehmen Sie die Versicherungsentschädigung mit und übertragen Sie eine wertlose Liegenschaft für einen Euro an die Kirche oder uns, mit der Auflage zur Beseitigung der Schande“, heißt es in dem Schreiben.
Eine Reaktion auf das Angebot? Fehlanzeige. Weder Hägen noch die Stadtverwaltung haben bislang eine Rückmeldung von Kieslinger erhalten. Auch Nachfragen der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) blieben unbeantwortet.
Eigentümer will offenbar abreißen – doch Denkmalschutz bremst
In einer früheren Mitteilung an die Stadt ließ Kieslinger immerhin durchblicken, was er selbst für den Standort noch für vertretbar hält: den Abriss. Doch genau dieser gestaltet sich schwierig – denn die Halle steht unter Denkmalschutz. Die Untere Denkmalschutzbehörde des Landkreises hält den Bau trotz schwerer Schäden weiterhin für erhaltenswert.
Für Maximilian Hägen wäre das kein Hindernis. Er beziffert die nötigen Sanierungskosten auf rund 200.000 Euro – und zeigt sich bereit, diese Summe zu investieren. Im Gegenzug will er die Halle mit Leben füllen: „Ich möchte meine private Kunstsammlung dort zeigen, Ausstellungen, Lesungen und Veranstaltungen organisieren – ein echter Mehrwert für die Stadt und meine Gäste“, so Hägen.
Stillstand trotz Potenzial – Bürgermeisterin soll vermitteln
Seit Jahren liegt das Gelände brach. Zwischen 1997 und 2018 war die Kunsthalle ein aktiver Kulturstandort mit mehreren Ausstellungen jährlich. Heute wirkt sie wie ein Mahnmal für versäumte Chancen.
Für Hägen ist klar: Wenn weder Eigentümer noch Stadt handeln, dann muss ein persönliches Gespräch auf höchster Ebene her. In einem Appell fordert er Bürgermeisterin Elisabeth Herzog-von der Heide (SPD) zum Eingreifen auf: „Fahren Sie nach Berlin, treffen Sie Herrn Kieslinger und überzeugen Sie ihn mit Empathie und Verantwortung für die Stadt.“
Ob das gelingt, ist offen. Sicher ist nur: Je länger die Ruine mitten in Luckenwalde verfällt, desto weiter entfernt sich die Stadt von einer kulturellen Wiederbelebung – und ein engagierter Investor verliert womöglich die Geduld.
