Großbrand auf historischem Bogensee-Areal

Foto: YouTube
Foto: YouTube

Wandlitz. Ein verheerender Großbrand hat auf dem historischen Bogensee-Areal bei Wandlitz im brandenburgischen Landkreis Barnim schwere Schäden angerichtet. Seit Mittwochabend kämpfen zahlreiche Feuerwehren gegen die Flammen, die große Teile des denkmalgeschützten Hauptgebäudes zerstört haben. Nach Angaben der Leitstelle Nordost stürzte das Dach des sogenannten Lektionsgebäudes ein, auch der zentrale Lesesaal wurde durch das Feuer schwer beschädigt.

Der Brand war gegen 21 Uhr gemeldet worden, nachdem Zeugen Rauchentwicklung auf dem weitläufigen Gelände bemerkt hatten. Zunächst stand der Dachstuhl in Flammen, doch das Feuer griff rasch auf das gesamte Gebäude über. Auch am frühen Donnerstagmorgen dauerten die Löscharbeiten noch an. Feuerwehren aus Wandlitz und Bernau wurden durch weitere Kräfte aus Ahrensfelde, Oderberg und der Gemeinde Schorfheide unterstützt. Insgesamt waren mehr als 80 Einsatzkräfte im Einsatz.

Die Löscharbeiten gestalteten sich unter extremen Bedingungen als besonders schwierig. Bei Temperaturen von bis zu minus fünf Grad froren Schläuche, Fahrzeuge und Hydranten ein. Wandlitz Bürgermeister Oliver Borchert, der den Einsatz in der Nacht begleitete, berichtete von einem aufwendigen Pendelverkehr mit Tanklöschwagen, da die reguläre Wasserversorgung teilweise ausfiel. Die Einsatzkräfte mussten wegen der hohen körperlichen Belastung bereits ausgetauscht werden.

Nach bisherigen Erkenntnissen wurde niemand verletzt. Die Polizei hat jedoch ein Ermittlungsverfahren zur Brandursache eingeleitet und erste Zeugen befragt. Wie es zu dem Feuer kommen konnte, ist bislang unklar.

Das Bogensee-Areal blickt auf eine belastete und wechselvolle Geschichte zurück. Es gehört dem Land Berlin und umfasst rund 16 Hektar. 1936 erhielt NS-Propagandaminister Joseph Goebbels dort das Nutzungsrecht für ein Landhaus am Bogensee. Diese Villa blieb nach Angaben der Feuerwehr von dem aktuellen Brand verschont. In der DDR nutzten FDJ und SED das Gelände als zentrale Kaderschmiede, später diente es nach der Wende zeitweise als Kongresszentrum. Seit dem Jahr 2000 steht der Gebäudekomplex leer und verfällt zunehmend.

Weil das Land Berlin weder finanzielle Mittel noch konkrete Pläne für eine Entwicklung hatte, wurde das Areal der Gemeinde Wandlitz bis Ende 2027 zur Nutzung überlassen. Geplant war, die Gebäude und Außenflächen für Führungen, Besichtigungen und Veranstaltungen zu öffnen. Der Großbrand wirft nun neue Fragen zur Zukunft des geschichtsträchtigen, aber maroden Geländes auf.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert