Eschersheim. Der denkmalgeschützte Wasserturm in Frankfurt-Eschersheim steht möglicherweise vor einem Eigentümerwechsel. Die Mainova AG prüft den Verkauf des markanten Bauwerks und sucht nach einer langfristigen Perspektive für das historische Industriedenkmal. Voraussetzung für einen möglichen Erwerb soll sein, dass der Turm künftig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird. Damit rückt eines der bekanntesten historischen Bauwerke des Stadtteils erneut in den Fokus der Stadtpolitik. Die Debatte dreht sich dabei nicht nur um die Zukunft des Gebäudes selbst, sondern auch um die Frage, wie historische Denkmäler in einer wachsenden Großstadt erhalten und genutzt werden können.
Mainova sucht neue Nutzung für denkmalgeschütztes Bauwerk
Nach Angaben des Energieversorgers ist die geplante Veräußerung Teil einer regelmäßigen Überprüfung des eigenen Immobilienbestands. In diesem Zusammenhang werde untersucht, welche Entwicklungsmöglichkeiten für den Wasserturm zwischen Eschersheimer Landstraße und Maßbornstraße bestehen. Konkrete Verkaufsverhandlungen laufen derzeit nach Unternehmensangaben noch nicht. Weder ein Käufer noch ein Zeitplan für eine mögliche Veräußerung stehen bislang fest. Die Suche nach einem tragfähigen Nutzungskonzept befindet sich noch in einem frühen Stadium.
Stadt Frankfurt hält sich bedeckt
Immer wieder wird spekuliert, ob die Stadt Frankfurt selbst Interesse an einer Übernahme des Wasserturms haben könnte. Offizielle Aussagen dazu bleiben bislang jedoch aus. Aus dem Planungsdezernat heißt es lediglich, dass aktuell keine konkreten Projekte oder Bauvorhaben für das Areal bekannt seien. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass mögliche Entwicklungen ohnehin strengen Auflagen unterliegen würden.
Bebauungsplan schränkt Nutzung stark ein
Eine zentrale Herausforderung für künftige Eigentümer ist die planungsrechtliche Situation. Das rund 1.400 Quadratmeter große Grundstück ist seit Jahrzehnten als öffentliche Grünfläche ausgewiesen. Dadurch sind die Möglichkeiten für Neubauten oder umfangreiche Umgestaltungen erheblich begrenzt. Denkbar wären lediglich Nutzungen, die mit dem Charakter einer Grünfläche vereinbar sind. Genannt werden beispielsweise kleinere öffentliche Einrichtungen oder die Nutzung bestehender Gebäude für soziale und gemeinwohlorientierte Zwecke.
Zusätzlich steht der Wasserturm unter Denkmalschutz. Umbauten oder bauliche Veränderungen müssten daher umfangreiche Auflagen erfüllen.
Sanierungsbedarf sorgt für zusätzliche Herausforderungen
Der Zustand des historischen Bauwerks spielt ebenfalls eine wichtige Rolle in der Zukunftsdebatte. Das Gelände ist derzeit gesperrt, nachdem Dachziegel herabgefallen waren und Sicherheitsbedenken entstanden. Nach Angaben der Mainova wurden bereits verschiedene Gutachten zum Sanierungsbedarf erstellt. Zudem seien in den vergangenen Jahren regelmäßig Instandhaltungsmaßnahmen vorgenommen worden. Über mögliche Sanierungspläne oder Investitionen äußert sich das Unternehmen derzeit jedoch nicht.
Der bestehende Mietvertrag mit einer Studentenverbindung ruht aktuell.
Kritik an möglichem Verkauf an Investoren
Politisch stößt die Diskussion über einen Verkauf nicht überall auf Zustimmung. Kritiker befürchten, dass ein privatwirtschaftlich orientiertes Nutzungskonzept den Charakter des Standorts verändern könnte. Insbesondere aus der Kommunalpolitik werden Forderungen laut, den Turm dauerhaft in öffentlicher Hand zu halten. Statt einer kommerziellen Nutzung werden Modelle vorgeschlagen, die soziale, kulturelle oder ökologische Projekte ermöglichen. Als mögliche Optionen gelten etwa Bildungsangebote, Begegnungsstätten, Klimaschutzinitiativen oder andere gemeinwohlorientierte Einrichtungen.
Zukunft des Wasserturms wird politisches Thema
Auch die Lokalpolitik beschäftigt sich inzwischen intensiv mit dem historischen Bauwerk. Im Ortsbeirat wird über mögliche Vergabeverfahren und Nutzungskonzepte diskutiert. Dabei steht insbesondere die Frage im Raum, ob soziale, ökologische und öffentliche Interessen bei einer künftigen Vergabe Vorrang erhalten sollten. Zudem gibt es Überlegungen, einen Runden Tisch einzurichten, um gemeinsam mit Bürgern, Politik, Fachleuten und potenziellen Nutzern ein Zukunftskonzept für den Wasserturm zu entwickeln.
Entscheidung noch offen
Wie es mit dem Wasserturm in Eschersheim weitergeht, bleibt vorerst ungewiss. Fest steht jedoch, dass das denkmalgeschützte Bauwerk vor einer wichtigen Weichenstellung steht. Zwischen Denkmalschutz, Sanierungsbedarf und den Interessen möglicher Investoren wird in den kommenden Monaten entschieden werden, ob aus dem historischen Wahrzeichen ein öffentlich zugänglicher Begegnungsort, ein kulturelles Projekt oder ein völlig neues Nutzungskonzept entsteht. Die Diskussion über die Zukunft des Wasserturms dürfte damit noch lange nicht beendet sein.
