Rund drei Seemeilen vor Lauterbach auf Rügen liegt ein ungewöhnlicher Lost Place: die ehemalige DDR-Plattform Ostervilm. Östlich der Insel Vilm ragt der verlassene Betonbau aus dem Greifswalder Bodden. Einst gehörte die Anlage zur DDR-Volksmarine, heute ist sie vor allem eine stark verfallene Erinnerung an die militärische Vergangenheit der Ostsee. Die Konstruktion steht auf rund 600 Holzpfählen. Der Zahn der Zeit hat deutliche Spuren hinterlassen: Der Beton weist Risse auf, Stahlteile sind verrostet, Fenster fehlen. Heute nutzen vor allem Kormorane die verlassene Anlage.
Für 60.000 Euro unter den Hammer gekommen
Im Juni 2026 wechselte Ostervilm den Besitzer. Bei einer Auktion in Hamburg wurde die ehemalige Militäranlage für 60.000 Euro versteigert. Damit begann für den ungewöhnlichen Lost Place ein neues Kapitel. Die neuen Eigentümer wollen die Plattform offenbar nicht einfach dem weiteren Verfall überlassen. Stattdessen soll möglichst vielen Menschen die Möglichkeit gegeben werden, sich an der Zukunft der ehemaligen DDR-Anlage zu beteiligen.
999 Mitbesitzer gesucht
Das Konzept klingt ungewöhnlich: Über eine Genossenschaft sollen insgesamt 1.000 Anteile zu jeweils 999 Euro angeboten werden. Damit könnte Ostervilm zu einem Gemeinschaftsprojekt werden, bei dem zahlreiche Beteiligte gemeinsam über die weitere Entwicklung der Plattform entscheiden. Die Idee dahinter ist, die notwendigen Investitionen nicht allein über einen einzelnen Eigentümer zu stemmen. Stattdessen soll eine große Gemeinschaft die Sanierung beziehungsweise Sicherung des außergewöhnlichen Ortes ermöglichen.
Eine Ruine mit DDR-Geschichte
Ostervilm ist dabei weit mehr als eine verlassene Betonplattform. Die Anlage steht für ein Kapitel der militärischen Nutzung der Ostsee während der DDR-Zeit. Ihre abgeschiedene Lage und die heute schwer zugängliche Bausubstanz machen sie zu einem außergewöhnlichen Zeugnis dieser Epoche. Nach Jahrzehnten ohne reguläre Nutzung ist der Zustand allerdings problematisch. Zwischen maritimer Geschichte und fortschreitendem Verfall stellt sich deshalb eine entscheidende Frage: Kann aus dem einstigen Militärstandort tatsächlich wieder ein nutzbarer Ort werden?
Zwischen Sanierung und Naturschutz
Eine mögliche Wiederbelebung dürfte ohnehin nicht allein von Geld und guten Ideen abhängen. Die Plattform liegt mitten im Greifswalder Bodden und damit in einer ökologisch sensiblen Umgebung. Schon heute hat sich die Natur den Lost Place teilweise zurückerobert. Die Kormorane, die auf dem verlassenen Bauwerk leben, stehen sinnbildlich für den Wandel des Ortes: Wo einst militärische Technik und Menschen das Bild bestimmten, herrscht heute vor allem Natur.
Ostervilm wird zum ungewöhnlichen Gemeinschaftsprojekt
Das Vorhaben zeigt zugleich, wie sich der Umgang mit historischen Lost Places verändern kann. Jahrzehntelang war Ostervilm eine vergessene Ruine auf dem Wasser. Nun soll ausgerechnet die Gemeinschaft vieler einzelner Eigentümer helfen, den außergewöhnlichen Ort zu erhalten. Ob das ambitionierte Modell funktioniert, wird sich allerdings erst zeigen. Die Sanierung einer Jahrzehnte alten Konstruktion im offenen Wasser dürfte technisch und finanziell eine erhebliche Herausforderung werden.
Fest steht schon jetzt: Ostervilm ist einer der ungewöhnlichsten Lost Places Deutschlands – und könnte vom verlassenen DDR-Militärstandort zum gemeinschaftlich getragenen Erinnerungsort werden.
