Das endgültige Aus für die „alte Polizeischule“

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Essen. Der Abrissbagger steht bereit: Die einstige Polizeischule an der Norbertstraße 165 in Essen-Bredeney verliert ihren Denkmalschutz – und damit wohl bald auch ihr architektonisches und historisches Erbe. Nach jahrelangem Leerstand und einem zähen Ringen zwischen Denkmalbehörden darf das Gelände nun neu entwickelt werden. Was genau dort entstehen soll, ist jedoch weiterhin unklar.

Ein Ort mit Geschichte – bald Geschichte

Errichtet in den frühen 1930er Jahren im klaren Bauhausstil, diente das weitläufige Areal ursprünglich als Unterkunft für Hundertschaften, Reiterstaffeln und ein Polizeikrankenhaus. Im Zweiten Weltkrieg wurden hier Polizei-Ersatz-Bataillone aufgestellt, später war das Gelände Heimat für die Landespolizeischule Technik und Verkehr. Zuletzt arbeiteten hier Spezialeinheiten, die Diensthundstaffel und das Polizeimusikkorps. Selbst ein Hubschrauberlandeplatz gehörte dazu.

„Oben auf dem Berg“, wie Essener die Anlage lange nannten, war über Jahrzehnte ein zentraler Ort polizeilicher Ausbildung und Einsatzplanung – mit idealen Übungsbedingungen und ausreichend Raum für Mensch und Tier. Doch das änderte sich mit einer politischen Weichenstellung in den 2000ern.

Vom Vorzeige-Standort zur Brache

Mit der Auflösung der staatlichen Baubehörden in Nordrhein-Westfalen übernahm der Bau- und Liegenschaftsbetrieb (BLB) das Gelände. Investitionen blieben aus. Die Gebäude verfielen, ein Legionellenbefall im Wassersystem war nur ein Symptom des Niedergangs. Polizisten spotteten, die Toiletten würden mit Warmwasser spülen.

Schon damals machten Gerüchte die Runde, die Liegenschaft solle still und leise für Investoren freigemacht werden – ein Filetstück in bester Lage. 2020 zogen schließlich alle verbliebenen Dienststellen in die denkmalgeschützte frühere Karstadt-Verwaltung unweit entfernt. Rund 1.000 Beamte mussten umziehen – ein logistischer Kraftakt. Für viele ein Rückschritt.

25 Millionen Euro für eine Legende?

Vor einigen Jahren kaufte die RAG-Stiftung das Gelände – laut Gerüchten für rund 25 Millionen Euro. Der Denkmalschutz verhinderte zunächst eine freie Verwertung. Doch nun hat sich offenbar die kommunale Denkmalbehörde gegen den Landschaftsverband Rheinland durchgesetzt. Die Konsequenz: Der Schutzstatus ist aufgehoben. Der Abriss kann kommen.

Kritik aus Polizeikreisen – und von Zeitzeugen

Ehemalige Nutzer und Zeitzeugen zeigen sich entsetzt. Der frühere Essener Polizeipräsident Michael Dybowski kritisiert die Entscheidung scharf: „Das Gelände war nicht nur architektonisch wertvoll, sondern auch ein Ort mit historischer Last und Bedeutung.“ Besonders brisant: Die Polizei-Ersatz-Bataillone, die dort zu Kriegsbeginn aufgestellt wurden, waren später im Westen wie Osten in schwerste Kriegsverbrechen verwickelt.

Stadtentwicklung ohne Erinnerungskultur?

Was mit dem Gelände genau geschehen soll, bleibt offen. Klar ist nur: Mit dem Ende des Denkmalschutzes droht nicht nur ein bedeutendes Bauwerk des Bauhausstils zu verschwinden. Auch ein Stück Essener Stadtgeschichte, Polizeigeschichte und historischer Verantwortung droht unter den Baggern begraben zu werden.

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