Aachen. Das lange leer stehende alte Polizeipräsidium in der Aachener Soers verschwindet. Oberbürgermeister Dr. Michael Ziemons hat mit einem symbolischen Hammerschlag den Startschuss für den Rückbau des Gebäudekomplexes gegeben. Damit beginnt eine entscheidende Phase für die Entwicklung des künftigen Sportparks Soers. Das ehemalige Polizeiareal gilt als Schlüsselgrundstück für die geplante Neugestaltung des Sportstandorts. Wo heute noch sieben Gebäude stehen, sollen künftig neue Flächen für Spitzen-, Breiten-, Jugend- und Behindertensport entstehen.
95.000 Kubikmeter umbauter Raum müssen weichen
Der Rückbau ist kein gewöhnlicher Gebäudeabriss. Auf dem rund 33.350 Quadratmeter großen Grundstück stehen insgesamt sieben Gebäude. Dazu gehören das fünf- bis siebengeschossige Hauptgebäude, das Gebäude des Technischen Dienstes, eine Werkstatt mit Tankstelle, Garagen und ein Schießstand. Insgesamt geht es um rund 95.000 Kubikmeter umbauten Raum. Allein das Hauptgebäude kommt auf etwa 62.000 Kubikmeter. Die maximale Gebäudehöhe beträgt dort 24 Meter. Auch Tankanlagen, Bodentanks und eine Abscheideranlage müssen ausgebaut werden.
Asbest verzögert den eigentlichen Abriss
Bevor die großen Bagger anrücken können, steht eine aufwendige Schadstoffsanierung an. Das Gebäude wird zunächst entrümpelt und entkernt. Anschließend müssen schadstoffbelastete Bauteile fachgerecht ausgebaut und entsorgt werden. Dabei geht es unter anderem um Asbest und künstliche Mineralfasern. Auch in der Fassade wurden asbesthaltige Materialien festgestellt. Die Schadstoffe werden unter fachlicher Begleitung ausgebaut und getrennt entsorgt. Die Stadt rechnet für diese Arbeiten mit etwa fünf bis sechs Monaten. Der Rückbau erfolgt deshalb zunächst kontrolliert und Schritt für Schritt.
Erst danach kommen die schweren Bagger
Nach Abschluss der Schadstoffsanierung beginnt der maschinelle Abbruch des Rohbaus. Die mineralischen Abbruchmaterialien sollen getrennt erfasst und möglichst einer Verwertung zugeführt werden. Die Pfahlgründung des Hauptgebäudes bleibt nach den derzeitigen Planungen im Untergrund. Beim Rückbau des Untergeschosses wird voraussichtlich zeitweise eine Grundwasserhaltung erforderlich sein. Anschließend werden Keller und Fundamente zurückgebaut, die Baugrube verfüllt und das Gelände für seine künftige Nutzung vorbereitet. Dabei sollen besondere Anforderungen des Boden- und Grundwasserschutzes berücksichtigt werden.
Polizeipräsidium soll bis 2027 verschwunden sein
Der gesamte Rückbau soll rund neun bis zehn Monate dauern. Die Stadt plant, die Arbeiten abschnittsweise und teilweise parallel durchzuführen. Nach dem derzeitigen Zeitplan soll das alte Polizeipräsidium im Frühjahr beziehungsweise Sommer 2027 vollständig verschwunden sein. Für die Bauarbeiten werden zudem Unterbrechungen berücksichtigt, damit größere Sportveranstaltungen in der Soers nicht beeinträchtigt werden. Damit endet die Geschichte eines Gebäudekomplexes, der seit dem Umzug der Polizei vor mehreren Jahren zunehmend zum Leerstand und schließlich zum sogenannten Lost Place geworden war.
Vom Lost Place zum Sportstandort
Das Gelände soll nach dem Rückbau eine völlig neue Funktion bekommen. Es ist ein zentraler Baustein des geplanten Sportparks Soers, der den Spitzensport mit Angeboten für die breite Bevölkerung verbinden soll. Die Stadt sieht darin eine Möglichkeit, den Sportstandort Aachen langfristig zu stärken. Gleichzeitig soll die Fläche auch der Bevölkerung zugutekommen. Geprüft wird unter anderem der Bau einer modernen Multifunktionssporthalle mit Mobility Hub. Weitere Planungen betreffen die Erweiterung des Reitsportgeländes des Aachen-Laurensberger Rennvereins.
Mehr Platz für Jugend- und Behindertensport
Auch der Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) ist in die Entwicklung eingebunden. Durch die frei werdenden Flächen soll das bestehende Sportangebot in der Soers erweitert werden. Vorgesehen sind unter anderem neue Möglichkeiten für den Jugendsport und den Para-Sport. Gleichzeitig soll der Sportpark nicht ausschließlich dem Leistungssport dienen, sondern ein Ort für unterschiedliche Sportangebote und Nutzergruppen werden.
9,6 Millionen Euro für den Rückbau
Allein der Rückbau des alten Polizeipräsidiums ist mit einem Projektbudget von rund 9,6 Millionen Euro veranschlagt. Davon werden nach Angaben der Stadt 90 Prozent aus Fördermitteln des Rheinischen Reviers finanziert. Der hohe Aufwand zeigt, warum zwischen dem Leerstand des Polizeipräsidiums und seinem tatsächlichen Verschwinden mehrere Jahre vergangen sind. Schadstoffbelastungen, technische Anlagen, die Größe des Komplexes und die Anforderungen an Boden- und Grundwasserschutz machen den Rückbau zu einem aufwendigen Infrastrukturprojekt.
Ein markanter Lost Place verschwindet
Für Aachen bedeutet der Beginn des Rückbaus auch das Ende eines bekannten Lost Places. Das alte Polizeipräsidium stand über Jahre weitgehend leer. In den Gebäuden befanden sich teilweise noch Relikte der früheren Nutzung – darunter alte Hafträume, technische Einrichtungen und weitere Ausstattung. Der Leerstand zog zudem immer wieder unbefugte Besucher an. Nun beginnt die letzte Phase des Gebäudekomplexes. Nach der Schadstoffsanierung werden die Bagger das Erscheinungsbild der Soers grundlegend verändern.
Der Weg zum Sportpark Soers beginnt sichtbar
Mit dem Abriss des Polizeipräsidiums wird die geplante Entwicklung des Sportparks erstmals unmittelbar im Stadtbild sichtbar. Noch stehen auf dem Areal große Teile des alten Behördenkomplexes. Doch spätestens 2027 soll davon nichts mehr zu sehen sein. An seine Stelle soll ein moderner Sportstandort treten, der Spitzensport, Breitensport, Jugendförderung und Para-Sport miteinander verbindet. Der symbolische Hammerschlag des Oberbürgermeisters war deshalb weit mehr als eine Geste: Mit dem Rückbau des alten Polizeipräsidiums beginnt in der Aachener Soers ein tiefgreifender städtebaulicher Wandel.
