Kaum ein anderer Betrieb steht so exemplarisch für die industrielle Bedeutung Magdeburgs in der DDR wie das VEB Schwermaschinenbau-Kombinat „Ernst Thälmann“, kurz SKET. Das Kombinat gehörte zu den größten Maschinenbauunternehmen der DDR und beschäftigte Ende der 1980er-Jahre rund 30.000 Menschen. Seine Wurzeln reichen allerdings wesentlich weiter zurück – bis zur Gründung der Maschinenfabrik Hermann Grusons im Jahr 1855. Die industrielle Vorgeschichte begann 1855, als Hermann Gruson in Magdeburg-Buckau eine Maschinenfabrik, Eisengießerei und Schiffswerft gründete. Das Unternehmen spezialisierte sich unter anderem auf Hartguss und entwickelte sich zu einem bedeutenden Maschinenbauunternehmen. 1893 wurde das Grusonwerk vom Krupp-Konzern übernommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das schwer beschädigte Werk zunächst unter sowjetische Kontrolle gestellt. Ein großer Teil der Anlagen und Unterlagen wurde als Reparationsleistung demontiert. 1946 entstand die Maschinenfabrik Krupp-Gruson der Sowjetischen Maschinenbau AG.

1954 beginnt die SKET-Geschichte
Am 1. Januar 1954 wurde der Betrieb zum VEB Schwermaschinenbau „Ernst Thälmann“ Magdeburg-Buckau. Fünfzehn Jahre später folgte der entscheidende Schritt: Am 1. Januar 1969 entstand das VEB Schwermaschinenbau-Kombinat „Ernst Thälmann“. Magdeburg wurde damit zu einem zentralen Standort des DDR-Schwermaschinenbaus. Dem Kombinat wurden zahlreiche spezialisierte Betriebe angeschlossen.

Maschinen für die Schwerindustrie
Das Produktionsprogramm war gewaltig. SKET fertigte unter anderem Walzwerksanlagen, Brecher und Mühlen, Verseilmaschinen, Krane und Anlagen für die Zement- und Speiseölindustrie. Auch komplette Großanlagen für die metallurgische Industrie gehörten zum Programm. Damit lieferte SKET nicht nur einzelne Maschinen, sondern vielfach komplette technische Lösungen für andere Industriezweige. Die Erzeugnisse wurden zudem in erheblichem Umfang exportiert.













30.000 Beschäftigte im Kombinat
Ende der 1980er-Jahre erreichte das Kombinat seine größte Ausdehnung. 18 Betriebe mit rund 30.000 Beschäftigten gehörten zu SKET. Allein im Magdeburger Stammwerk arbeiteten etwa 13.000 Menschen. SKET war damit nicht nur ein Industriebetrieb, sondern ein prägender Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens in Magdeburg. Generationen von Beschäftigten arbeiteten im „Thälmann-Werk“, dessen Name in der Stadt bis heute mit dem industriellen Selbstverständnis verbunden ist.



Der Zusammenbruch nach 1990
Mit der deutschen Wiedervereinigung geriet der Großbetrieb innerhalb kürzester Zeit unter enormen wirtschaftlichen Druck. Die bisher wichtigen Absatzmärkte in Osteuropa brachen teilweise weg, während gleichzeitig die Produktivität und die komplexe Struktur des Kombinats Probleme bereiteten. 1990 wurden mehrere ehemalige Kombinatsbetriebe ausgegliedert und unter dem Dach der SKET Maschinen- und Anlagenbau AG zusammengeführt. Das Kombinat selbst wurde am 10. Juli 1990 aufgelöst.

Privatisierung scheitert
Die Suche nach einer dauerhaften Zukunft erwies sich als schwierig. 1993 verkaufte die Treuhand die Mehrheitsrechte an private Investoren. Doch die Sanierung gelang nicht dauerhaft. Am 15. Oktober 1996 wurde Gesamtvollstreckung beantragt. Damit zerfiel endgültig die einstige industrielle Großstruktur.

SKET lebt weiter
Die Geschichte endete allerdings nicht vollständig. Aus verschiedenen Nachfolgeunternehmen entstanden neue Firmen, die einzelne Kompetenzen des historischen Maschinenbaustandortes weiterführten. Teile der SKET-Tradition bestehen bis heute fort. Der VEB Schwermaschinenbau-Kombinat „Ernst Thälmann“ bleibt damit eines der eindrucksvollsten Beispiele für die Dimension der DDR-Industrie. Vom Grusonwerk über den volkseigenen Schwermaschinenbau bis zum Ende des Kombinats nach der Wende spiegeln sich hier fast 150 Jahre deutscher Industriegeschichte.
