Direkt am Röblinsee in Fürstenberg/Havel steht eine der markantesten Industrieruinen Brandenburgs. Das ehemalige VEB Kraftfuttermischwerk geht auf die sogenannte Behrnsche Mühle zurück. Nachdem ein Brand die ursprüngliche Mühle in der Bahnhofstraße zerstört hatte, ließ die Familie Behrns 1912 am Röblinsee eine neue Großmühle errichten. Die Lage war strategisch günstig: Rohstoffe konnten sowohl über die Bahn als auch über die Wasserstraße angeliefert werden.

Vom Mehl zur Futtermittelproduktion
Nach dem Zweiten Weltkrieg änderten sich die Eigentumsverhältnisse grundlegend. Aus der privaten Mühlenanlage wurde zunächst ein volkseigener Mühlenbetrieb. 1957 erfolgte die Umwandlung zum VEB Kraftfuttermischwerk. Statt Mehl für die menschliche Ernährung produzierte der Betrieb nun vor allem Kraftfutter für die Landwirtschaft. Das Werk war Teil der industriell organisierten Landwirtschaft der DDR. Das hergestellte Mischfutter diente unter anderem der Versorgung der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG). Zeitweise arbeiteten dort mehr als 120 Beschäftigte. Die Anlage verfügte über große Getreidesilos, Produktions- und Lagerbereiche sowie eigene technische Einrichtungen.



Ein bedeutender Produktionsstandort
Die Dimensionen des Werkes machen deutlich, welche Bedeutung die Futtermittelproduktion für die DDR-Landwirtschaft hatte. Die hohen Silos und mehrgeschossigen Produktionsgebäude prägten das Ufer des Röblinsees. Durch die Kombination aus Bahnanschluss und Wasserweg konnten große Mengen Getreide angeliefert und verarbeitet werden. Bis zum Ende der DDR wurde der Betrieb technisch weiterentwickelt. Dennoch konnte das Kraftfuttermischwerk die wirtschaftlichen Veränderungen nach der Wiedervereinigung nicht überstehen.








1992 kam das endgültige Aus
Mit der Auflösung der volkseigenen Betriebe endete auch die Geschichte des Fürstenberger Kraftfuttermischwerks. 1992 wurde der Betrieb abgewickelt, anschließend standen die Gebäude leer. Was einst ein funktionierender Produktionsstandort mit mehr als hundert Beschäftigten war, verwandelte sich innerhalb weniger Jahre in eine riesige Industrieruine. Dächer und Gebäudeteile verfielen, Produktionsbereiche wurden beschädigt und die Natur eroberte zunehmend das Gelände zurück.

Heute eine markante Industrieruine
Der Gebäudekomplex ist bis heute weithin sichtbar und prägt das Ufer des Röblinsees. Der wuchtige Hauptbau mit seinen Silos und technischen Strukturen vermittelt noch immer eine Vorstellung von den Dimensionen des früheren Betriebes. Gleichzeitig ist der bauliche Zustand inzwischen problematisch. Das Areal gilt als Lost Place und ist nicht öffentlich zugänglich. Doch die Geschichte soll nicht einfach verschwinden. Für das ehemalige Kraftfuttermischwerk gibt es inzwischen Planungen für eine neue Nutzung als Quartier „Havelfabrik“. Die Stadt Fürstenberg führt dafür den Bebauungsplan Nr. 17 „Ehemaliges Kraftfuttermischwerk – Quartier Havelfabrik“.

Zwischen Industriedenkmal und Zukunftsprojekt
Das Kraftfuttermischwerk steht damit an einem Wendepunkt. Mehr als drei Jahrzehnte Leerstand haben deutliche Spuren hinterlassen. Gleichzeitig besitzt der Standort durch seine Geschichte, seine außergewöhnliche Architektur und die direkte Lage am Wasser ein erhebliches städtebauliches Potenzial. Aus der alten Behrnschen Mühle wurde ein DDR-Produktionsstandort, aus dem Produktionsstandort eine Industrieruine – und möglicherweise entsteht daraus künftig ein neues Stück Fürstenberg. Gerade dieser Wandel macht das ehemalige Kraftfuttermischwerk zu einem bemerkenswerten Zeugnis der deutschen Industrie- und DDR-Geschichte.
