VEB Forster Tuchfabrik (Weberei)

Forst war einst eine der bedeutendsten Tuchstädte Deutschlands. Hunderte Fabriken prägten das Stadtbild, tausende Menschen lebten von der Textilindustrie. Ein wichtiger Teil dieser Geschichte war der VEB Forster Tuchfabriken, unter dessen Dach zahlreiche ehemals private Tuchfabriken zusammengefasst wurden. Auch der Standort an der heutigen Max-Fritz-Hammer-Straße 2 gehörte zu diesem industriellen Erbe. Bis zum Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Forst zu einem Zentrum der deutschen Tuchproduktion. Mehr als 200 Textilbetriebe und zahlreiche Zulieferer waren in der Stadt ansässig. Wegen seiner gewaltigen industriellen Bedeutung wurde Forst sogar als „Deutsches Manchester“ bezeichnet.

Der Krieg hinterließ jedoch schwere Spuren. Große Teile der Stadt und zahlreiche Fabriken wurden zerstört. Von den mehr als 200 Tuchfabriken konnten nach Kriegsende nur etwa 60 den Betrieb wieder aufnehmen.

Aus privaten Fabriken wird ein VEB

Nach 1945 veränderten Enteignungen und Verstaatlichungen die Forster Industrielandschaft grundlegend. Kleinere Betriebe wurden schrittweise zu größeren volkseigenen Wirtschaftseinheiten zusammengeführt. In den folgenden Jahren entstand daraus der VEB Forster Tuchfabriken. Der Großbetrieb vereinte zahlreiche frühere Fabriken und entwickelte sich zu einem wichtigen Bestandteil der DDR-Textilindustrie. Ab 1974 gehörte der Betrieb zum Textilkombinat Cottbus.

Wolle, Garn und Stoff

Das Produktionsprogramm war umfangreich. Hergestellt wurden vor allem Streich- und Kammgarngewebe, daneben Stoffe für Schlafdecken und weitere textile Erzeugnisse. Forst war dabei insbesondere der größte Hersteller von Streichgarngeweben in der DDR. Die Produktion umfasste verschiedene Arbeitsschritte – von der Spinnerei und Zwirnerei über die Weberei bis zur Veredelung. Moderne Maschinen wurden zwar insbesondere in den 1970er- und 1980er-Jahren nachgerüstet, dennoch blieb ein erheblicher Teil der historischen Fabriksubstanz erhalten.

Die Fabrik an der Max-Fritz-Hammer-Straße

Die Max-Fritz-Hammer-Straße 2 liegt mitten in jenem historischen Forster Industriegebiet, das bis heute von zahlreichen ehemaligen Tuchfabriken geprägt wird. Der Straßenname erinnert selbst an den Maurermeister Bodo Hammer, der im Forster Fabrikbau eine wichtige Rolle spielte. Die erhaltenen Fabrikgebäude vermitteln noch heute einen Eindruck von der einstigen industriellen Dichte der Stadt. Viele der historischen Bauten wurden während der DDR-Zeit weiter genutzt, jedoch nur begrenzt modernisiert. Dadurch blieben zahlreiche Elemente der ursprünglichen Industriearchitektur erhalten.

1990 bricht die Tuchindustrie zusammen

Mit der politischen Wende änderten sich die wirtschaftlichen Bedingungen innerhalb kürzester Zeit. Die traditionellen Absatzmärkte brachen weg, gleichzeitig mussten sich die ostdeutschen Textilbetriebe dem Wettbewerb stellen. Die Tuchproduktion in Forst wurde nach 1989/90 nahezu vollständig aufgegeben. Viele Fabrikgebäude standen anschließend leer und verfielen. Damit endete eine industrielle Tradition, die Forst über mehr als ein Jahrhundert geprägt hatte.

Zwischen Verfall und neuer Nutzung

Nicht alle ehemaligen Tuchfabriken verschwanden. Einige wurden saniert und einer neuen Nutzung zugeführt. So befindet sich heute beispielsweise das Forster Museum für Textil- und Industriegeschichte Lausitz in einer historischen Tuchfabrik. Auch andere ehemalige Werke wurden zu Verwaltungs-, Wohn- oder Kulturstandorten umgebaut. Andere Gebäude blieben dagegen über Jahrzehnte ungenutzt und wurden zu eindrucksvollen Zeugnissen des industriellen Niedergangs.

Ein vergessenes Kapitel der Forster Industriegeschichte

Der VEB Forster Tuchfabriken steht beispielhaft für den Wandel der ostdeutschen Textilindustrie: Aus einer Vielzahl privater Familienunternehmen entstand ein staatlicher Großbetrieb, der jahrzehntelang Stoffe für die DDR und den Export produzierte. Nach der Wiedervereinigung verschwand dieser Wirtschaftszweig innerhalb weniger Jahre nahezu vollständig. Die alten Fabriken an der Max-Fritz-Hammer-Straße und in den angrenzenden Straßen erinnern heute an eine Zeit, als in Forst die Webstühle den Takt des täglichen Lebens vorgaben.

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