Zwischen der Friedrichshagener Straße und der Müggelspree entstand einst ein bedeutender Standort der deutschen Kabelindustrie. Der VEB Kabelwerk Köpenick, zu DDR-Zeiten auch unter dem Markennamen IKA bekannt, produzierte über Jahrzehnte Kabel und Leitungen für Industrie, Energieversorgung und Kommunikation. Heute erinnern vor allem die historischen Fabrikgebäude an die industrielle Vergangenheit des Areals. Die Geschichte des Standortes beginnt bereits 1858 mit der Telegraphendrahtfabrik C. J. Vogel. Die zunehmende Bedeutung der Elektrotechnik und der rasch wachsende Bedarf an Leitungen führten schließlich zum Bau eines großen Werkes in Köpenick.

Zwischen 1916 und 1921 entstanden an der Friedrichshagener Straße die umfangreichen Fabrikanlagen der späteren C. J. Vogel Draht- und Kabelwerke AG. Der historische Gebäudekomplex ist bis heute als Baudenkmal erhalten.
Nach dem Krieg wird daraus ein VEB
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen zunächst als Sowjetischer Aktiengesellschaft (SAG) geführt. 1950 ging der Betrieb schließlich an die DDR über. 1952 wurde das Kabelwerk Köpenick zum Volkseigenen Betrieb. Als VEB Kabelwerk Köpenick wurde es anschließend Teil der staatlich organisierten Kabelindustrie. Die Bezeichnung IKA sorgte dabei für eine gewisse Verwechslungsgefahr: Die frühere Vereinigung Volkseigener Betriebe für „Installationen, Kabel und Apparate“ war bereits Anfang der 1950er-Jahre aufgelöst worden. IKA blieb jedoch als Markenname erhalten und wurde auch mit dem Kabelwerk Köpenick verbunden.

Kabel für die DDR-Industrie
Das Kabelwerk Köpenick war kein kleiner regionaler Betrieb. Es gehörte zur zentralen DDR-Kabelindustrie und wurde später in das VEB Kombinat Kabelwerk Oberspree „Wilhelm Pieck“ (KWO) integriert. Das Kombinat vereinte zahlreiche Kabelbetriebe und beschäftigte insgesamt rund 16.000 Menschen. Im Kabelwerk Köpenick selbst arbeiteten zeitweise etwa 1.700 Beschäftigte. Produziert wurden unterschiedliche Kabel und Leitungen, die für die Versorgung der DDR-Industrie und Infrastruktur benötigt wurden. In den 1970er-Jahren wurde der Standort zudem erheblich erweitert. Neue Werkhallen entstanden auf der gegenüberliegenden Seite der Friedrichshagener Straße.

Der 17. Juni 1953
Das Kabelwerk spielte auch während des Volksaufstands vom 17. Juni 1953 eine Rolle. Historische Unterlagen des Stasi-Unterlagen-Archivs dokumentieren, dass sich Beschäftigte des Kabelwerks dem Streik anschlossen und sich eine Streikleitung bildete. Die Ereignisse zeigen, dass die politische Unruhe auch die großen Industriebetriebe Ost-Berlins unmittelbar erfasste.

Das Ende nach der Wiedervereinigung
Mit dem Ende der DDR zerfiel auch das Kabelkombinat. Aus dem volkseigenen Betrieb wurde die Kabelwerk Köpenick GmbH. Die neue Gesellschaft konnte den traditionsreichen Standort jedoch nicht dauerhaft erhalten. Mitte der 1990er-Jahre wurde das historische Werk südlich der Friedrichshagener Straße geschlossen. Die alten Fabrikgebäude blieben anschließend weitgehend ungenutzt und verfielen zunehmend.

Vom Industriewerk zum Lost Place
Das ehemalige Kabelwerk entwickelte sich zu einem eindrucksvollen Zeugnis des industriellen Niedergangs. Verlassene Produktionshallen, große Fensterfronten und die historische Backsteinarchitektur machten das Areal zu einem markanten Lost Place in Köpenick. Zeitweise wurde ein Teil des Geländes sogar für Freizeitaktivitäten genutzt. Das Mellowpark befand sich vorübergehend auf dem Areal, bevor es an seinen heutigen Standort an der Wuhlheide umzog.

Kabelproduktion bleibt in Köpenick
Ganz verschwunden ist die Kabelindustrie allerdings nicht. Auf der nördlichen Seite der Friedrichshagener Straße wurden die jüngeren Produktionshallen weiter genutzt. Dort werden beziehungsweise wurden auch nach der DDR-Zeit verschiedene Spezialkabel gefertigt. Damit existiert am historischen Standort weiterhin eine Verbindung zur ursprünglichen Nutzung – auch wenn der alte Fabrikkomplex längst nicht mehr die Bedeutung besitzt, die er zu DDR-Zeiten hatte.
Ein Stück Köpenicker Industriegeschichte
Der VEB IKA Kabelwerk Köpenick steht exemplarisch für die Entwicklung der Berliner Elektroindustrie: vom privaten Telegraphendrahtwerk über den volkseigenen DDR-Großbetrieb bis zur Privatisierung und dem Niedergang nach 1990. Die denkmalgeschützten Gebäude an der Friedrichshagener Straße erzählen heute von einer Zeit, in der Kabel für eine gesamte Volkswirtschaft produziert wurden.



Wo einst Arbeiter an Maschinen und Produktionsstraßen Kabel für die DDR fertigten, blieb nach dem Ende des Betriebes eine beeindruckende Industriebrache zurück. Die Geschichte des Kabelwerks Köpenick ist damit auch die Geschichte des Verschwindens einer ganzen Arbeitswelt.
