Wo einst Bier gebraut und Limonade abgefüllt wurde, erinnert heute kaum noch etwas an die frühere Bedeutung der Feldschlösschen-Brauerei Burg. Der Betrieb gehörte über Jahrzehnte zu den prägenden Brauereien der Stadt und überstand sogar die politischen und wirtschaftlichen Umbrüche der DDR. 1990 endete schließlich die Geschichte des traditionsreichen Standortes. Die Geschichte begann 1889 mit der Gründung der „Vereins- und Brauerei Aktiengesellschaft“ in Burg. Bereits 1890 wurde der erste Sud angesetzt. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die Brauerei zu einem bedeutenden regionalen Unternehmen. Zur Sicherung des Absatzes gehörten zeitweise auch zahlreiche Gaststätten zum Umfeld des Unternehmens.
Der Name Feldschlösschen tauchte allerdings erst später auf. 1899 wurde die Firma zur Feldschlösschen-Brauerei Burg AG umbenannt. Die Blütezeit des Unternehmens lag in den Jahrzehnten vor dem Zweiten Weltkrieg.

Vom Privatbetrieb zum DDR-Betrieb
Nach dem Zweiten Weltkrieg änderten sich die Eigentumsverhältnisse grundlegend. 1948 firmierte die Brauerei noch als Feldschlösschen-Brauerei Nachf. Kurt Pettinger KG. Ab 1956 wurde der Betrieb treuhänderisch geführt, bevor er schließlich in Volkseigentum überging. Ab 1966 gehörte die Brauerei als Werk Burg zu den Vereinigten Brauereien Magdeburg. 1969 folgte die Eingliederung in das VEB Getränkekombinat Magdeburg. Ab 1975 war der Standort Teil des VEB Genthiner Brauhaus innerhalb dieses Getränkekombinats.






Burger Feldschlösschen und Bockbier
Trotz der wechselnden Organisationsstrukturen blieb die Bierproduktion in Burg erhalten. Gebraut wurden unter anderem Burger Feldschlösschen, Faschingsbräu, Bockbier, Vollbier Hell, Malzbier, Caramel-Vollbier und Lagerbier. Auch verschiedene Limonaden gehörten zum Produktionsprogramm. Damit war die Brauerei ein typischer Bestandteil der DDR-Getränkeindustrie: regional verwurzelt, staatlich organisiert und mit einem breiten Sortiment für den täglichen Bedarf.

1990 gehen die Lichter aus
Die politische Wende bedeutete schließlich auch für die Burger Brauerei das Ende. 1990 wurde der Betrieb eingestellt. Ein Neustart als „Genthiner Brauhaus GmbH, Abteilung Feldschlösschen Burg“ scheiterte. Damit endete eine mehr als hundertjährige Brautradition am Standort. Burg verlor damit neben der Steinhaus-Brauerei auch seinen letzten verbliebenen großen Brauereibetrieb. Die Tourist-Information der Stadt bezeichnet die Feldschlösschen-Brauerei entsprechend als die letzte Burger Brauerei, die ihren Betrieb einstellte.

Ein verschwundener Teil der Burger Industriegeschichte
Die Geschichte der Feldschlösschen-Brauerei steht beispielhaft für den Strukturwandel der ostdeutschen Brauindustrie. Aus einer privat gegründeten Aktienbrauerei wurde nach dem Krieg ein staatlich gelenkter Betrieb, der mehrere Jahrzehnte Teil eines großen Getränkekombinats war. Mit der Wiedervereinigung verschwanden die bisherigen Absatz- und Produktionsstrukturen – und damit letztlich auch die Brauerei.
Heute erinnert vor allem die historische Überlieferung an den einst bedeutenden Betrieb. Das Burger Feldschlösschen ist damit ein weiteres Kapitel einer Brauereigeschichte, die die Stadt über Generationen geprägt hat.
