VEB Eisenwerk Zwickau – Die „Fackel“

Einst wurden hier tonnenschwere Gussteile für die DDR-Industrie gefertigt. Das VEB Eisenwerk Zwickau, vielen Zwickauern auch als „Fackel“ bekannt, war über Jahrzehnte ein wichtiger Gießereibetrieb. Nach dem Ende der DDR brach die Produktion ein. 1996 gingen die Schmelzöfen endgültig aus. Die Wurzeln des Werkes reichen bis um 1900 zurück. Im Norden Zwickaus entstand damals eine Eisengießerei, die verschiedene Gussteile für Unternehmen der Region sowie für den Maschinen- und Fahrzeugbau produzierte.

Die Weltwirtschaftskrise brachte den Betrieb jedoch in Schwierigkeiten. Um 1930 musste die Gießerei schließen. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg begann der Wiederaufbau unter sowjetischer Verwaltung. Ab 1949 wurden erneut Gussteile produziert, zunächst vor allem für den Bergbau und die Wismut.

Vom DDR-Betrieb zum Zulieferer der Fahrzeugindustrie

In den 1970er-Jahren erhielt der Betrieb den Namen VEB Eisenwerk Zwickau. Nun konzentrierte sich die Produktion zunehmend auf Gussteile für die Fahrzeugindustrie. Gefertigt wurden unter anderem Motorblöcke und Getriebegehäuse für den Lastwagen W50 sowie Bauteile für den Traktor ZT 300. Rund 350 Menschen arbeiteten zeitweise im Werk, jährlich wurden etwa 13.000 Tonnen Eisen geschmolzen.

Modernisierung kurz vor dem Ende

Auch das Eisenwerk wurde in der DDR weiter ausgebaut. In den 1970er-Jahren entstanden neue soziale Einrichtungen. Dazu gehörten unter anderem Speise- und Aufenthaltsräume sowie medizinische Bereiche. Eine der letzten großen Investitionen war der Bau eines Elektroschmelzhauses ab 1986. Die moderne Technik sollte die bisherige Koksschmelze ersetzen und gleichzeitig die Arbeitsbedingungen verbessern.

Die Wende beendet die Produktion

Mit dem Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft geriet das Eisenwerk massiv unter Druck. Die bisherigen Absatzmärkte brachen weg, während die ostdeutsche Fahrzeugindustrie mit dem internationalen Wettbewerb konfrontiert war. Nach der Privatisierung übernahm die Gießerei J. Weipert & Söhne aus Heilbronn den Betrieb. Ein Teil der Arbeitsplätze konnte zunächst gerettet werden. Von den einst rund 350 Beschäftigten blieben jedoch nur noch etwa 84 Arbeitsplätze. Im Mai 1996 war endgültig Schluss. Die Schmelzöfen wurden abgeschaltet und die Produktion eingestellt.

Die „Zwickauer Fackel“ verfällt

Nach der Stilllegung begann der schleichende Verfall des Werksgeländes. Teile wurden abgerissen, andere Gebäude blieben jahrelang leer. Vandalismus und Brände beschleunigten den Niedergang. Die Industriebrache wurde schließlich zu einem bekannten Lost Place in Zwickau. Teile des Areals waren zudem mit Rückständen aus der Gießereiproduktion belastet. Untersuchungen nennen unter anderem Schlacken, Gießereisande und weitere Produktionsreste als Bestandteile ehemaliger Ablagerungen.

Kunst erobert die alte Fabrik

Ein besonderes Kapitel folgte 2013. Das ehemalige Eisenwerk wurde Austragungsort der IBUg – Industriebrachenumgestaltung. Internationale Künstler verwandelten die verlassenen Gebäude mit Graffiti, Installationen und großflächigen Wandbildern. Mehr als 7.500 Besucher kamen zu der Veranstaltung. Für kurze Zeit wurde aus der verlassenen Fabrik ein außergewöhnlicher Ort für Kunst und Kultur.

Ein Stück Zwickauer Industriegeschichte

2020 wurden die verbliebenen Grundstücke des ehemaligen Eisenwerks schließlich versteigert. Die als „Fackel“ bekannte Industriebrache wechselte für 550.000 Euro den Eigentümer. Vom einstigen Gießereibetrieb ist damit nur noch ein Teil erhalten. Die Geschichte des Eisenwerks steht beispielhaft für den tiefgreifenden Wandel der Zwickauer Industrie nach 1990. Wo einst glühendes Eisen in Formen floss und Bauteile für Lastwagen und Traktoren entstanden, erinnern heute nur noch die verbliebenen Gebäude an die „Zwickauer Fackel“.

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