Schloss Henriette im Gerbstedter Ortsteil Helmsdorf gehört zu den bemerkenswerten historischen Bauwerken des Mansfelder Landes. Das klassizistische Herrenhaus wurde zwischen 1801 und 1805 für Wilhelm Ernst Friedrich von Kerssenbrock und seine Frau Louise Ernestine Henriette von Bülow errichtet. Seinen heutigen Namen trägt das Schloss nach Henriette. 1910 ließ Baron Bernhard von Krosigk das Anwesen durch den bekannten Architekten Paul Schultze-Naumburg modernisieren und erweitern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Schloss enteignet und anschließend zunächst als Feierabendheim, später als Pflegeheim genutzt.

Drei Jahrzehnte Leerstand machten das Schloss zum Lost Place
1994 endete die Nutzung als Pflegeheim. Danach blieb das Gebäude über Jahrzehnte weitgehend sich selbst überlassen. Vandalismus, Einbrüche und Plünderungen setzten der historischen Bausubstanz und dem Inventar erheblich zu. Schloss Henriette entwickelte sich zu einem bekannten Lost Place, der auch Fotografen und Abenteurer anzog. Doch der Verfall sollte nicht das letzte Kapitel der Schlossgeschichte sein.








Verein kämpft für die Rettung
2022 gründeten engagierte Bürger den Verein „Schloss Henriette-Helmsdorf“. Ziel ist es, die historische Substanz zu sichern, den Schlosspark zu erhalten und das Gebäude langfristig wieder zu einem kulturellen Mittelpunkt der Region zu entwickeln. Das Schloss wurde inzwischen gesichert; zudem finden Führungen und kulturelle Veranstaltungen statt. Die Entwicklung zeigt bereits Wirkung: Aus dem einst verlassenen Gebäude soll Schritt für Schritt wieder ein öffentlich zugänglicher Kulturort werden.

Fördermittel für die Sanierung
Auch die Denkmalpflege unterstützt die Bemühungen. Für Sanierungsmaßnahmen stellte das Land Sachsen-Anhalt 2025 insgesamt 85.000 Euro bereit. Damit sollen unter anderem Deckenfüllungen und Stuckkonsolen ergänzt beziehungsweise wiedereingebaut, der historische Eierstabbereich im östlichen Tellersaal restauriert und Fenster saniert werden. Weitere Arbeiten sind notwendig, um die wertvolle historische Substanz dauerhaft zu sichern.

Neues Leben hinter alten Mauern
Der Verein setzt inzwischen nicht nur auf Restaurierung, sondern auch auf kulturelle Nutzung. Führungen, Konzerte, Vorträge und weitere Veranstaltungen bringen regelmäßig Besucher nach Helmsdorf. Langfristig verfolgt der Verein unter anderem das Ziel, ein Museum im Schloss einzurichten. Damit steht Schloss Henriette beispielhaft für die schwierige, aber mögliche Rettung eines historischen Lost Places: Was jahrzehntelang dem Verfall überlassen war, wird heute wieder gesichert, geöffnet und mit neuem Leben erfüllt.
