Einst ein strategischer Militärflugplatz im Osten Deutschlands, ist der Flugplatz Werneuchen heute vor allem ein Ort für Hobbypiloten und Ultraleichtflieger. Der Sonderlandeplatz, rund 30 Kilometer östlich von Berlin gelegen, blickt auf eine bewegte Geschichte zurück – von der NS-Zeit über den Kalten Krieg bis in die Nachwendezeit.
Der Platz wurde ab 1935 vom Reichsluftfahrtministerium als Ausbildungsstätte der Luftwaffe ausgebaut. Mit der Übergabe an die Jagdfliegerschule Werneuchen 1937 wurde der Grundstein für die militärische Nutzung gelegt. Schon vor dem Überfall auf Polen 1939 diente Werneuchen als Basis für Kampfgeschwader der Wehrmacht.

Während des Zweiten Weltkriegs nutzten verschiedene Nachtjagd- und Jagdverbände den Platz, darunter das Nachtjagdgeschwader NJG 5. 1945 übernahm die Rote Armee den Flugplatz und setzte ihn bis 1993 für eigene militärische Zwecke ein. In dieser Zeit waren unter anderem Pe-2-Bomber, IL-28- und Jak-28-Flugzeuge sowie MiG-25-Aufklärer stationiert. Besonders brisant: Ab 1971 verfügte Werneuchen über ein Sonderwaffenlager für nukleare Gefechtsköpfe des Typs Granit-2.

Nach dem Abzug der letzten sowjetischen Einheiten – darunter die 41. Selbstständige Hubschrauberstaffel, die bis zuletzt Mi-2 einsetzte – wurde der Flugplatz 1993 an das Bundesvermögensamt übergeben. Schon 1992 war der zivile Flugbetrieb freigegeben worden.
Heute ist von der früheren Militärpräsenz kaum noch etwas zu spüren. Der Aeroclub „Melli Beese“ und eine Ultraleichtflugschule nutzen das Areal für Schul- und Trainingsflüge. Aufgrund des geringen Flugaufkommens dienen die Wiesenflächen zudem zur Schafhaltung.


Um illegalen Autorennen auf dem Gelände Einhalt zu gebieten, wurde die ehemalige Start- und Landebahn geteilt. Nur der östliche Abschnitt – inzwischen auf 800 Meter verkürzt – steht noch dem Flugbetrieb zur Verfügung. Die maximale Startmasse ist auf 2000 Kilogramm begrenzt.

Der Flugplatz Werneuchen ist damit ein Stück Zeitgeschichte, das heute leise, aber lebendig weiterbesteht – als Rückzugsort für Luftfahrt-Enthusiasten und Mahnmal vergangener Konflikte.
