Der ehemalige Militärflugplatz Sperenberg, südlich von Berlin gelegen, war einst ein bedeutendes Drehkreuz für sowjetische Militärtransporte – heute ist er eine verfallene Geisterstadt im Wald. Auf dem 24 Quadratkilometer großen Gelände, das sich über die Gemeinden Am Mellensee und Nuthe-Urstromtal im Landkreis Teltow-Fläming erstreckt, landeten bis 1994 Transportgiganten wie die Il-76, An-22 oder später die An-124. In den Jahren nach dem Mauerfall galt Sperenberg sogar als Favorit für den Standort des künftigen Hauptstadtflughafens. Doch trotz umfangreicher Umweltgutachten und fertiger Infrastruktur wurde Schönefeld bevorzugt. Heute verfallen Kasernen, Hangars und Startbahnen – und das Areal kostet das Land Brandenburg Millionen.

Militärmacht im märkischen Wald
Die Geschichte Sperenbergs reicht tief in die deutsche Militärhistorie zurück. Ursprünglich Teil der Heeresversuchsanstalt Kummersdorf, diente das Gelände bis 1945 unter anderem der Ausbildung von Eisenbahnpionieren. In den 1950er-Jahren suchte die Sowjetarmee nach einem reinen Militärflugplatz – nach langem Streit mit der DDR übernahm die DDR ab 1958 den Bau. Ziel: Schönefeld für die zivile Nutzung freizuhalten.



In mehreren Bauphasen bis 1974 entstanden eine 2.500 Meter lange Betonpiste, Hangars, Rollwege sowie ein zentraler Gefechtsbunker. Der Flugplatz entwickelte sich rasch zu einem Zentrum sowjetischer Militärlogistik: Transportflugzeuge, Kampfhubschrauber und sogar Maschinen zur elektronischen Aufklärung waren hier stationiert. Das 226. Gemischte Fliegerregiment, Teile der 39. Fliegerabteilung für Elektronischen Kampf und eine Hubschrauberstaffel machten Sperenberg zu einem neuralgischen Punkt im Kalten Krieg. Über 5.000 sowjetische Soldaten und deren Familien lebten zeitweise in der abgeschotteten Militärstadt mit eigener Infrastruktur – von Bäckerei bis Kino.
Besonders brisant: 1991 verbrachte Erich Honecker hier seine letzte Nacht auf deutschem Boden, bevor er in die Sowjetunion ausgeflogen wurde.


Schicksalsfrage Hauptstadtflughafen
Nach dem Abzug der Westgruppe der Truppen (WGT) im Jahr 1994 rückte Sperenberg erneut ins Licht der Öffentlichkeit – als potenzieller Standort für den neuen Großflughafen Berlin Brandenburg. Infrastrukturell vorbereitet, abgeschirmt im Wald und mit geringer Lärmbelastung, stellte Sperenberg laut Umweltverträglichkeitsprüfung die beste Option dar. Doch die größere Nähe Schönefelds zur Hauptstadt und politische Interessen gaben letztlich den Ausschlag. Die Entscheidung für Schönefeld wurde Jahre später durch Pannen beim Bau des BER, jahrelange Verzögerungen und anhaltende Kapazitätsprobleme infrage gestellt. Stimmen wie Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Manfred Stolpe oder CDU-Politikerin Saskia Ludwig brachten Sperenberg 2012/13 erneut ins Spiel – ohne Erfolg.

Stillstand statt ziviler Neunutzung
Seit dem Übergang in Landesbesitz im Jahr 2009 liegt das Gelände brach. Die Gebäude sind dem Verfall überlassen, Pläne für eine zivile Nutzung gescheitert. Brandenburg investierte laut Abrechnung bis 2007 über 45 Millionen Euro in Rückbau, Altlastensanierung und Verwaltung. Dem stehen nur rund 9 Millionen Euro an Einnahmen gegenüber – ein Defizit von 36 Millionen Euro.


Der einstige strategische Knotenpunkt sowjetischer Militärmacht und potenzieller Hauptstadtflughafen ist heute nur noch ein verwachsenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte. Und ein mahnendes Beispiel für vertane Chancen.
