Am westlichen Stadtrand der Stadt Oschatz, mit Blick auf den markanten Collmberg, liegt ein Ort, der deutsche Luftfahrtgeschichte atmet: der Flugplatz Oschatz (ICAO: EDOQ). Heute als Sonderlandeplatz vom ehrenamtlich betriebenen Fliegerclub Oschatz e. V. geführt, ist der Platz weit mehr als ein Treffpunkt für Hobbypiloten. Er ist ein lebendiges Denkmal – mit Wurzeln tief in den Wirren des 20. Jahrhunderts.

Vom geheimen Fliegerhorst zur Flugschule
Die Geschichte des Platzes beginnt im Jahr 1935, als das Reichsluftfahrtministerium einen geheimen Ausbildungsplatz für die Luftwaffe errichten ließ. Der Berliner Architekt Willi Ludewig übernahm zunächst die Planung, musste jedoch aus persönlichen Gründen – seine Ehefrau war Jüdin – den Auftrag vorzeitig abbrechen. Bereits am 1. Januar 1936 nahm die Fliegerausbildungsstelle Oschatz unter dem Namen „Fliegerhorst Oschatz“ den Betrieb auf.


Was folgte, war eine bewegte militärische Nutzung mit mehrfachen Umbenennungen der Ausbildungsstätte. Bis 1945 wurden hier hunderte Piloten geschult, Flugzeuge montiert und, gegen Kriegsende, auch letzte verzweifelte Einsätze gegen amerikanische Truppen geflogen – unter anderem mit modifizierten Junkers W 34, bestückt mit Panzerfäusten.
Kalter Krieg hinter verschlossenen Toren
Nach dem Einmarsch der Amerikaner im April 1945 ging der Flugplatz im Juli desselben Jahres in sowjetische Hände über. Die Rote Armee stationierte hier bis 1991 eine Garnison – darunter auch Raketeneinheiten. Der Flugplatz blieb in dieser Zeit abgeschottet, für die Öffentlichkeit unerreichbar. Viele der Bauten aus jener Epoche sind inzwischen verfallen oder zweckentfremdet – ein Hangar dient heute als Paintball-Halle.

Neustart unter zivilen Flügeln
Mit dem Rückzug der Sowjets begann ein neuer Abschnitt: Eine Gruppe Luftfahrtbegeisterter gründete den Fliegerclub Oschatz e. V., der heute einen Teil des Areals nutzt und mit viel ehrenamtlichem Engagement betreibt. Neben einer Flugschule für Segel- und Motorsegelflug organisiert der Verein regelmäßig Flugshows, Erlebnistage und Oldtimertreffen mit historischen Flugzeugen. Der Platz mit seiner 850 Meter langen Graspiste ist unter vorheriger Anmeldung (PPR) auch für externe Piloten zugänglich.


Was einst ein Ort militärischer Geheimhaltung war, ist heute ein lebendiges Zentrum für Luftfahrttradition, Technikbegeisterung und zivilgesellschaftliches Engagement in Nordsachsen.
