Im Norden des zu Plessa gehörenden Ortsteils Kahla steht mit dem Bertzit-Turm eine der ungewöhnlichsten Industrieruinen Brandenburgs. Der rund 35 Meter hohe Stahlskelettbau erinnert an ein Industrieprojekt, das bereits vor mehr als 100 Jahren scheiterte. Heute ist der Turm eine weithin sichtbare Landmarke im Elbe-Elster-Land und als Baudenkmal geschützt.

Braunkohle sollte chemisch veredelt werden
Entstanden ist der Turm um 1920 im Umfeld der ehemaligen Braunkohlengrube Ada. Geplant war eine Anlage zur Veredelung der regional geförderten Braunkohle. Mithilfe des sogenannten Bertzit- beziehungsweise Bertzitverfahrens sollte die Kohle durch ein Trocknungsverfahren für die weitere industrielle Nutzung aufbereitet werden.

Die geplante Fabrik wurde jedoch nie regulär in Betrieb genommen. Nach einem Probebetrieb kam die industrielle Nutzung nicht zustande. Warum das Vorhaben endgültig scheiterte, ist nicht vollständig geklärt. Als mögliche Gründe gelten unter anderem die fehlende technische Reife des Verfahrens und die wirtschaftliche Entwicklung des regionalen Braunkohlebergbaus.

Vom Industrieprojekt zur Investitionsruine
Mit dem Ende der Pläne blieb der markante Turm als unvollendetes Relikt zurück. Die 35 Meter hohe Konstruktion überdauerte die eigentliche Bergbaugeschichte und wurde zu einer der ältesten Investitionsruinen der Region. Gemeinsam mit weiteren Überresten der ehemaligen Grube steht der Bertzit-Turm heute unter Denkmalschutz. In der aktuellen Denkmalliste Brandenburgs ist er unter der Denkmalnummer 09135711 verzeichnet.

Ein Lost Place mit historischem Wert
Der Bertzit-Turm ist heute vor allem wegen seiner ungewöhnlichen Architektur und seiner Verbindung zur frühen Braunkohleveredelung interessant. Zwischen den Überresten des Bergbaus erinnert er an eine Zeit, in der mit neuen Verfahren versucht wurde, die Nutzung der heimischen Braunkohle technisch und wirtschaftlich weiterzuentwickeln.
Das Bauwerk sollte jedoch nicht betreten werden: Die vorhandene Treppenanlage ist aufgrund baulicher Mängel gesperrt.
