Einst herrschte auf dem Gelände der Grube Büchenberg bei Elbingerode reger Betrieb. Heute prägen vor allem leerstehende und zunehmend verwahrloste Gebäude das Bild. Schachthalle, Fördermaschinengebäude, Zechenhaus, Kauengebäude, Werkstätten und eine ehemalige Wache zeugen noch immer von einer Zeit, in der hier Eisenerz aus dem Harzer Untergrund gewonnen und verarbeitet wurde. Besonders bemerkenswert ist die spätere Nutzung der Übertageanlagen. Nach dem Ende des Bergbaus wurden die Gebäude nicht sofort aufgegeben. Die damaligen Eigentümer, die Harzer Kalk- und Zementwerke, wandelten das Areal in ein Betriebsferienheim um. Das Fördermaschinengebäude wurde zur Sporthalle, das Zechenhaus zum Bettenhaus und die frühere Wache zur Rezeption. Eine Großgaststätte ergänzte das Ferienobjekt.
Mit dem politischen und wirtschaftlichen Umbruch von 1989/90 endete auch diese Nutzung. Seitdem verfällt ein Teil der historischen Bausubstanz. Damit verschwindet langsam ein Ensemble, das wie kaum ein anderes die wechselvolle Geschichte des Elbingeröder Erzbergbaus dokumentiert.

Eisenerzabbau reicht bis ins Mittelalter zurück
Die Geschichte des Bergbaus rund um den Büchenberg reicht weit zurück. Bereits im Mittelalter wurde in der Region Eisenerz gewonnen. Der frühe Abbau erfolgte zunächst oberirdisch. In sogenannten Pingen wurde das erzführende Gestein aus dem Boden herausgearbeitet. Im 16. Jahrhundert erlebte der Elbingeröder Erzbergbau eine bedeutende Blütezeit. Danach schwankte die Intensität der Förderung erheblich, bevor der Abbau 1925 zunächst vollständig zum Erliegen kam. Erst in den 1930er-Jahren rückte das Eisenerz der Region wieder stärker in den Fokus. Die Eisenerzförderung am Büchenberg begann 1936 erneut. Hintergrund war insbesondere der steigende Rohstoffbedarf der deutschen Rüstungsindustrie. Die Grube befand sich zu dieser Zeit im Besitz des Mannesmann-Konzerns.
Gefördert wurde allerdings nicht jedes vorhandene Erz. Der Abbau konzentrierte sich auf Vorkommen mit einem Eisenanteil von mehr als 35 Prozent. Für den Transport des geförderten Erzes entstand zwischen 1937 und 1940 eine technisch aufwendige Materialseilbahn. Sie verband den Bereich des Rothenbergs mit dem Schacht I – dem heutigen Zugang zum Schaubergwerk – mit Minsleben. Über eine Strecke von rund 8,65 Kilometern wurde das Eisenerz transportiert. In Minsleben konnte es anschließend auf Eisenbahnwaggons verladen und weiterbefördert werden. Die spätere Verarbeitung erfolgte im Raum Salzgitter.

Die von der Bleichert Transportanlagen GmbH Leipzig errichtete Seilbahn vom Typ „Zenith“ verfügte zunächst über 33 hölzerne Stützen. Zwischen einzelnen Stützen lagen beträchtliche Distanzen: Die maximale Spannweite betrug rund 1.262 Meter. Das Tragseil hatte einen Durchmesser von 3,5 Zentimetern. Insgesamt standen 74 Loren für den Transport zur Verfügung. Die Anlage erreichte eine Geschwindigkeit von 2,66 Metern pro Sekunde. Der tägliche Erztransport war beträchtlich: Bis zu 840 Tonnen Eisenerz konnten auf diesem Weg abtransportiert werden. Rund 45 Beschäftigte waren mit dem Betrieb und der Abwicklung des Transports beschäftigt.
Nach dem Krieg änderten sich die Wege des Erzes
Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Grube zunächst stillgelegt. Bereits 1946 wurde die Förderung jedoch wieder aufgenommen. Die politischen Rahmenbedingungen hatten sich inzwischen grundlegend verändert. Die Grube war verstaatlicht worden. Salzgitter lag nun in der westlichen Besatzungszone und stand deshalb als Verarbeitungsstandort nicht mehr zur Verfügung. Als Konsequenz entstand in Calbe (Saale) ein speziell auf das Büchenberger Eisenerz ausgerichtetes Niederschachtofenwerk. Für die Verhüttung kam Braunkohle-Hochtemperaturkoks zum Einsatz. Auch die Transportinfrastruktur wurde den veränderten Bedingungen angepasst.

Die Seilbahn erhielt Stahlstützen
1958 und 1959 wurde die Materialseilbahn grundlegend modernisiert. Die ursprünglich verwendeten Holzstützen wurden während des laufenden Betriebs nach und nach durch Stahlkonstruktionen ersetzt. Auch die Sicherung der Verkehrswege wurde verbessert. Die bisherigen hölzernen Schutzbrücken wichen modernen Schutznetzanlagen. Die Seilbahn blieb damit über Jahre ein prägendes Element der regionalen Bergbauinfrastruktur. Doch ihre Lebensdauer war begrenzt. Mit den veränderten Rohstoffbeziehungen der DDR verlor auch der Büchenberger Erzabbau zunehmend seine wirtschaftliche Grundlage.

1970 kam das endgültige Aus
Als die DDR zunehmend hochwertigeres Eisenerz aus der Sowjetunion beziehen konnte, wurde die Förderung am Büchenberg wirtschaftlich immer weniger attraktiv. Am 30. April 1970 wurde der Bergwerksbetrieb schließlich eingestellt. Damit endete eine jahrhundertealte Tradition des Eisenerzabbaus in der Region. Die Tage des aktiven Bergwerks waren gezählt. 1971 und 1972 wurde auch die Materialseilbahn vollständig demontiert und verschrottet. Von der einstigen 8,65 Kilometer langen Anlage blieben lediglich die Stütze Nummer 1 sowie der Antrieb erhalten. Gerade diese Relikte vermitteln heute noch einen Eindruck von der einstigen Dimension des Erztransports.

Aus dem Bergwerk sollte ein Ferienheim werden
Mit der Stilllegung verschwand das Leben auf dem Gelände jedoch nicht sofort. Die oberirdischen Betriebsgebäude erhielten eine neue Funktion. Die Harzer Kalk- und Zementwerke nutzten die vorhandene Bausubstanz für ein Betriebsferienheim. Das ehemalige Fördermaschinengebäude wurde zur Sporthalle umgebaut. Im Zechenhaus entstanden Übernachtungsmöglichkeiten, während die frühere Wache als Rezeption diente. Aus einem industriellen Bergbaustandort war damit ein Ferien- und Erholungsobjekt geworden. Die ursprüngliche Funktion der Gebäude veränderte sich, die historische Bausubstanz blieb jedoch weitgehend erhalten.
Das Ende kam mit der Wende
Mit der deutschen Wiedervereinigung änderten sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen erneut. Das Ferienheim verlor seine Grundlage und wurde schließlich aufgegeben. Seitdem sind Teile des ehemaligen Betriebsareals dem Verfall ausgesetzt. Wo einst Bergleute ein- und ausgingen, Maschinen liefen und Erz verladen wurde, prägen heute Leerstand und zunehmende Verwahrlosung das Erscheinungsbild. Gerade deshalb besitzt das Gelände eine besondere Atmosphäre: Es verbindet die Spuren des historischen Erzbergbaus mit den baulichen Relikten der DDR-Zeit.

Aus der Grube wurde ein Schaubergwerk
Die Geschichte des Büchenbergs endete allerdings nicht vollständig mit der Einstellung der Förderung. Bereits während der DDR-Zeit entstanden Überlegungen, das Bergwerk für Besucher zugänglich zu machen. 1984 war die erste Sohle soweit hergerichtet, dass die Pläne konkreter umgesetzt werden konnten. Die Eröffnung des Schaubergwerks Büchenberg erfolgte schließlich am 7. Oktober 1989 – ausgerechnet am 40. Jahrestag der DDR, dem damaligen Nationalfeiertag. Damit begann für einen Teil der unterirdischen Anlagen ein neues Kapitel.
600 Meter Besucherstrecke und mehr als 40 Kilometer Grubennetz
Der heutige Zugang zum Schaubergwerk führt nicht durch den historischen Förderschacht. Besucher gelangen über eine Treppenanlage entlang der ehemaligen Einfahrt der Industrieseilbahn in den Berg. Seit 1993 ist das Schaubergwerk zudem für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Gehbehinderungen zugänglich. Die reguläre Besucherstrecke ist rund 600 Meter lang. Das tatsächliche Ausmaß des unterirdischen Bergwerks ist jedoch erheblich größer: Das Grubengebäude verfügt über ein Streckennetz von mehr als 40 Kilometern auf sechs Sohlen. Der überwiegende Teil dieser unterirdischen Anlagen bleibt Besuchern verschlossen.

Bergbautechnik ist bis heute funktionstüchtig
Eine besondere Attraktion des Schaubergwerks sind die erhaltenen Maschinen und Werkzeuge aus dem DDR-Bergbau der 1950er- und 1960er-Jahre. Dazu gehören unter anderem ein Überkopflader, ein Erzschrapper und mehrere Bohrhämmer. Die historische Technik ist teilweise noch funktionsfähig und wird bei Führungen vorgeführt. Damit vermittelt das Schaubergwerk nicht nur einen Einblick in die Geologie und Geschichte des Büchenbergs. Es zeigt auch unmittelbar, mit welcher Technik die Bergleute einst unter Tage arbeiteten.

Zwei Geschichten auf einem Gelände
Der Büchenberg steht heute für zwei sehr unterschiedliche Entwicklungen. Unter Tage wird die Geschichte des aktiven Bergbaus bewahrt und Besuchern zugänglich gemacht. Über Tage hingegen stehen Gebäude, die nach der Stilllegung eine zweite Nutzung als Ferienheim erhielten und später erneut leer fielen. Gerade dieser Gegensatz macht das Gelände kulturhistorisch interessant. Zwischen Schaubergwerk, ehemaligen Betriebsgebäuden und den Spuren der verschwundenen Seilbahn lässt sich die Entwicklung des Standorts über mehrere Jahrzehnte nachvollziehen. Bis zum 1. Juli 2006 wurde das Schaubergwerk von der Gemeinde Elbingerode betrieben. Seitdem befindet sich die Anlage in Pacht.
Ein Industriedenkmal mit sichtbaren Bruchstellen
Die Grube Büchenberg ist damit weit mehr als ein ehemaliger Erzbergbaustandort. Sie erzählt von mittelalterlichem Bergbau, industrieller Modernisierung, nationalsozialistischer Rohstoffpolitik, der Planwirtschaft der DDR und dem wirtschaftlichen Umbruch nach der Wiedervereinigung. Während das Schaubergwerk die unterirdische Bergbaugeschichte bewahrt, zeigen die zunehmend verfallenden Übertageanlagen eine andere Seite dieses Erbes. Das ehemalige Zechenhaus, die Schachthalle, das Fördermaschinengebäude und die weiteren Gebäude sind bauliche Zeugnisse einer Epoche, deren Spuren zunehmend verschwinden. Was heute wie ein Lost Place wirkt, war einst ein funktionierender Industriestandort mit hunderten Metern unterirdischer Strecken, leistungsfähiger Fördertechnik und einer kilometerlangen Materialseilbahn.
Die Grube Büchenberg zeigt damit exemplarisch, wie schnell industrielle Orte ihre Funktion verlieren können – und wie schwierig es sein kann, ihre baulichen Zeugnisse dauerhaft zu erhalten.
Hinweis
Aufgrund der Anzahl der Gebäude und deren positive und/oder negative Veränderungen der Bausubstanz im Laufe der Zeit, stellen einzelne Abbildungen (häufig) nicht den derzeitigen Zustand dar. Die Reihenfolge der Bilder ist keine Zeitreihenfolge.
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