Clausthal-Zellerfeld. Nach dem verheerenden Brand an Deutschlands größter Holzkirche läuft im Landkreis Goslar eine aufwendige Rettungsaktion unter Extrembedingungen. Hoch oben im Gebälk der historischen Marktkirche legen Zimmerer derzeit das verkohlte Fachwerk frei und ersetzen zerstörte Balken – Zentimeterarbeit in zwölf Metern Höhe, bei winterlicher Kälte und unter strengen Auflagen des Denkmalschutzes. Ziel ist es, so viel Originalsubstanz wie möglich zu erhalten.
Der Brand war in der Nacht zum 20. Juli nur knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt. Flammen fraßen sich an der Ostseite vom Boden bis in den Dachstuhl. Dank eines ausgelösten Brandmelders und des schnellen Einsatzes von mehr als 100 Feuerwehrleuten konnte Schlimmeres verhindert werden. Der riesige Innenraum mit rund 2.000 Sitzplätzen blieb nahezu unversehrt, ebenso die wertvolle Orgel. Bereits seit Oktober finden wieder Gottesdienste statt, während Schutzwände die laufenden Arbeiten abschirmen.
Für die Erneuerung der Außenfassade liefern die Niedersächsischen Landesforsten passgenau ausgewählte Fichten aus dem Clausthaler Stadtwald – rund 100 Jahre alt und speziell für den historischen Bau geeignet. Wie lange die Sanierung dauern und wie hoch der Gesamtschaden ausfallen wird, ist noch offen. Die Kosten übernimmt die Versicherung. Die Staatsanwaltschaft geht von Brandstiftung aus, ein Tatverdächtiger wurde ermittelt.
Trotz Baugerüsten und Handwerkern bleibt die Kirche geöffnet. Für Besucher sind die Sanierungsarbeiten inzwischen selbst zu einer Attraktion geworden – und für die Gemeinde ein sichtbares Zeichen, dass ihr Wahrzeichen gerettet werden kann.
