Waldkappel. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (DSD) setzt ein weiteres Zeichen für den Erhalt jüdischen Kulturerbes in Hessen. Mit einer Förderung in Höhe von 50.000 Euro unterstützt die Stiftung die Restaurierung des ehemaligen Lehrerhauses der Synagoge in Harmuthsachsen, einem Stadtteil von Waldkappel. Ermöglicht wird die Förderung durch private Spenden sowie Erträge der Lotterie GlücksSpirale.
Der Fördervertrag geht in diesen Tagen an den Verein „Freundinnen und Freunde jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis e.V.“, der sich seit Jahren für die Bewahrung und Wiederbelebung des historischen Ensembles engagiert.
Zimmer-, Putz- und Malerarbeiten sichern historische Bausubstanz
Mit den Fördermitteln werden umfangreiche Zimmerer-, Putz- und Malerarbeiten am ehemaligen Lehrerwohnhaus finanziert. Das Gebäude bildet gemeinsam mit der benachbarten Synagoge und dem früheren Badehaus ein bedeutendes kulturhistorisches Ensemble, das an das einst lebendige jüdische Leben in der Region erinnert. Die Sanierungsmaßnahmen sollen die historische Substanz dauerhaft sichern und die Voraussetzungen für eine zukünftige Nutzung des Gebäudes schaffen.
Jüdisches Gemeindezentrum mit bewegter Geschichte
Das Ensemble entstand um das Jahr 1800. Die Synagoge wurde in einer umgebauten Scheune eingerichtet und im Jahr 1833 feierlich eingeweiht. Über Jahrzehnte war sie religiöser und gesellschaftlicher Mittelpunkt der jüdischen Gemeinde von Harmuthsachsen. Mit der Auflösung der jüdischen Gemeinde im Jahr 1928 endete diese Nutzung. Das Gebäude wurde verkauft und anschließend wieder als Wirtschaftsgebäude verwendet. Dennoch blieben zahlreiche wertvolle historische Spuren bis heute erhalten.
Seltene Zeugnisse der ursprünglichen Synagoge erhalten geblieben
Zu den bemerkenswertesten Überresten zählt die Apsis an der östlichen Giebelseite, in der sich einst der Thoraschrein befand. Auch der Bogen vor der Apsis besitzt noch Reste der ursprünglichen hebräischen Inschrift. Darüber hinaus hat sich die tiefblaue historische Ausmalung des Innenraums erhalten – eine seltene Besonderheit, die Einblicke in die ursprüngliche Gestaltung des Gotteshauses ermöglicht. Nicht erhalten blieb dagegen die Frauenempore, die während eines Umbaus in den 1930er Jahren entfernt wurde. Auch das ehemalige Lehrerhaus wurde im Laufe der Zeit stark verändert und zeitweise sogar als Garagengebäude genutzt.
Lehrerhaus war religiöses und gesellschaftliches Zentrum
Das ehemalige Lehrerhaus erfüllte früher mehrere wichtige Aufgaben innerhalb der jüdischen Gemeinde. Hier wohnte der Lehrer, der gleichzeitig als Vorsänger im Gottesdienst sowie als Schochet für die Durchführung ritueller Schlachtungen verantwortlich war. Bis zur Gründung einer eigenen jüdischen Elementarschule im Jahr 1863 fand im Gebäude außerdem der Religionsunterricht für die jüdischen Kinder des Dorfes statt. Damit war das Haus weit mehr als eine Wohnung – es bildete das organisatorische und religiöse Zentrum des Gemeindelebens.
Historische Mikwe könnte künftig wieder zugänglich werden
Im Erdgeschoss des Lehrerhauses befand sich zudem eine öffentliche Mikwe, das rituelle Tauchbad der jüdischen Gemeinde. Es besteht die Möglichkeit, dass dieses historische Ritualbad im Rahmen archäologischer Untersuchungen freigelegt und künftig wieder zugänglich gemacht werden kann. Sollte dies gelingen, würde das Ensemble um einen weiteren bedeutenden Bestandteil jüdischer Alltags- und Religionsgeschichte ergänzt.
Förderung bewahrt wertvolles jüdisches Kulturerbe
Mit der Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wird die Sanierung eines außergewöhnlichen Denkmals jüdischer Geschichte fortgesetzt. Das Ensemble aus Synagoge und Lehrerhaus zählt zu den wenigen erhaltenen Zeugnissen jüdischen Lebens im Werra-Meißner-Kreis und erinnert an eine Gemeinde, die das kulturelle Leben der Region über viele Jahrzehnte prägte. Die aktuellen Arbeiten leisten einen wichtigen Beitrag dazu, dieses historische Erbe dauerhaft zu sichern und für kommende Generationen erlebbar zu machen.
