Auf der schwedischen Ostseeinsel Tjurkö bei Karlskrona liegt ein außergewöhnlicher Lost Place: Ein Schiffsfriedhof, auf dem mehrere ausgemusterte Boote seit Jahrzehnten vor sich hin rosten. Die Wracks liegen teils im Wasser, teils an Land und sind inzwischen eng mit der umgebenden Natur verwachsen. Die Geschichte des Schiffsfriedhofs reicht bis in die 1940er- und 1950er-Jahre zurück. Damals war Tjurkö noch ausschließlich auf dem Seeweg erreichbar. Zurückgelassene Schärenfähren, Fischerboote und weitere Fahrzeuge blieben schließlich auf dem Gelände liegen. Einige der Rümpfe wurden an Land gezogen, andere versanken teilweise im Wasser.
Besonders eindrucksvoll ist heute das Zusammenspiel aus rostendem Stahl, verwittertem Holz und dichtem Bewuchs. Bäume und Sträucher haben sich die alten Schiffe regelrecht zurückerobert. Lange Zeit galten die Wracks vor allem als störende Hinterlassenschaften. Mehrfach wurde deshalb über ihre Beseitigung diskutiert. Gleichzeitig entdeckten Fotografen, Lost-Places-Fans und Nostalgiker den abgelegenen Ort für sich. Die Schiffe entwickelten sich zunehmend zu einem ungewöhnlichen Anziehungspunkt.
Inzwischen wird der Schiffsfriedhof als kulturell interessanter Bestandteil der Insel wahrgenommen. Das Gelände wurde 2016 als Kulturreservat ausgewiesen.
Zwischen Faszination und Verfall
Gerade der fortschreitende Verfall macht den Reiz des Ortes aus. Die Schiffe erzählen von der einstigen Bedeutung der Küstenschifffahrt und davon, wie schnell technische Relikte von der Natur vereinnahmt werden können. Der Schiffsfriedhof von Tjurkö ist damit ein Lost Place im ursprünglichen Sinn: kein künstlich inszenierter Erlebnisort, sondern ein vergessener Platz, an dem die Zeit sichtbar ihre Spuren hinterlassen hat. Gleichzeitig gilt beim Besuch Vorsicht, denn die teilweise stark verrosteten Wracks sind nicht zum Betreten geeignet.
