Wiener Flaktürme prägen bis heute das Stadtbild

Foto: C.Stadler/Bwag/C BY-SA 4.0
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Sie gehören zu den auffälligsten und zugleich bedrückendsten Relikten des Zweiten Weltkriegs in Wien: Sechs massive Flaktürme aus Stahlbeton stehen bis heute nahezu unverändert im Stadtgebiet. Zwischen 1942 und 1945 errichtet, sollten die gewaltigen Bauwerke die österreichische Hauptstadt gegen alliierte Luftangriffe schützen. Heute sind sie vor allem steinerne Zeugnisse der nationalsozialistischen Kriegspolitik.

Die sechs Türme bilden drei Paare aus jeweils einem Gefechtsturm und einem kleineren Feuerleitturm. Ihre Standorte im Augarten, im Arenbergpark sowie im Bereich von Esterházypark und Stiftskaserne wurden so gewählt, dass sie ein Verteidigungsdreieck um das Wiener Stadtzentrum bildeten. Im Zentrum dieses Dreiecks liegt der Stephansdom. Die großen Gefechtstürme waren mit schweren Flugabwehrkanonen ausgestattet. Unter idealen Bedingungen konnten die Geschütze Ziele in einer Entfernung von bis zu 20 Kilometern bekämpfen. Die Feuerleittürme lieferten die für die Geschützbedienung notwendigen Informationen.

Foto: Jorge Franganillo/CC BY 2.0
Foto: Jorge Franganillo/CC BY 2.0

Bunker, Lazarett und Rüstungsstandort

Die Flaktürme waren jedoch weit mehr als militärische Anlagen. Ihre gewaltigen Innenräume wurden auch als Luftschutzbunker genutzt. In einzelnen Türmen entstanden Lazarette, technische Einrichtungen und kriegswichtige Produktionsstätten. Bis zu 3.000 Menschen konnten in einem Turm Schutz finden. Beim Bau kamen neben regulären Arbeitskräften zunehmend Kriegsgefangene sowie Fremd- und Zwangsarbeiter zum Einsatz. Damit gehören auch die Flaktürme zur Geschichte der Zwangsarbeit während des NS-Regimes.

Unzerstörbare Relikte der Vergangenheit

Nach dem Krieg erwies sich der Abriss der massiven Bauwerke als äußerst schwierig. Gleichzeitig liegen die Türme unmittelbar in dicht bebauten Stadtgebieten. So blieben die Betonkolosse erhalten, während andere Kriegsbauten verschwanden. Heute stehen sämtliche sechs Wiener Flaktürme unter Denkmalschutz.

Foto: Manfred Werner/CC BY-SA 3.0
Foto: Manfred Werner/CC BY-SA 3.0

Zwischen Lost Place und neuer Nutzung

Die Frage nach dem Umgang mit den riesigen Bauwerken beschäftigt Wien bis heute. Mehrfach gab es Überlegungen, die Türme einer neuen Nutzung zuzuführen – von Archiven und Datenspeichern bis hin zu Gastronomie oder Hotelprojekten. Einzelne Gebäude werden inzwischen tatsächlich genutzt. Im ehemaligen Feuerleitturm im Esterházypark befindet sich beispielsweise das Haus des Meeres.

Die Wiener Flaktürme sind damit keine gewöhnlichen Lost Places. Sie sind erhaltene Monumente einer Diktatur und zugleich außergewöhnliche Beispiele militärischer Architektur. Gerade ihr unveränderter Zustand macht sie zu eindringlichen Erinnerungsorten: Der Beton ist geblieben, die politische Ideologie, für die er errichtet wurde, ist Geschichte.

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