La Matanza de Acentejo, Teneriffa. Seit mehr als einem halben Jahrhundert rostet ein riesiger Rohbau an der Nordküste Teneriffas vor sich hin. Das „Skelett von La Matanza“, wie Anwohner es nennen, steht sinnbildlich für die verfehlte Baupolitik der 1970er-Jahre. Das Bauprojekt, das nie fertiggestellt wurde, verschandelt nicht nur die Landschaft in einem Naturschutzgebiet – es stellt zunehmend auch ein Sicherheitsrisiko dar.
Bau im Naturschutzgebiet – rechtlich genehmigt, aber nie vollendet
Begonnen wurde der Bau 1972. Das massive Fundament besteht aus Stahlträgern und Betonelementen, die seither der salzhaltigen Atlantikluft schutzlos ausgeliefert sind. Der Bau stoppte abrupt, Gründe wurden nie offiziell benannt. Im Jahr 2000 äußerten sich Behörden erstmals: Zwar liege das Projekt in einem geschützten Gebiet, sei jedoch legal errichtet worden und könne theoretisch jederzeit fertiggebaut werden.
Für viele Anwohner und Experten eine absurde Vorstellung: Wer würde heute noch in eine Ruine mit Jahrzehnte altem, korrodiertem Stahl investieren?
Stahl rostet, Beton bröckelt – Gefahr für Menschen und Umwelt
Inzwischen ist die Ruine akut einsturzgefährdet. Immer wieder lösen sich Betonteile und stürzen unkontrolliert zu Boden. Trotz Warnungen zieht das Gerippe sogenannte „Lost-Places“-Fans an, die sich der realen Lebensgefahr offenbar nicht bewusst sind. Ein möglicher Unfall würde nicht nur Menschenleben gefährden, sondern auch Einsatzkräfte bei einer Rettung riskieren.

Abriss? Eigentümer unbekannt, Regierung untätig
Ein entscheidendes Hindernis: Der Eigentümer des Bauwerks ist nach wie vor nicht eindeutig bekannt. Seit Jahrzehnten herrscht Stillstand – weder der Inselrat von Teneriffa noch die Gemeinde La Matanza zeigen klare Initiative. Ein Abriss wird bislang als zu kostspielig abgetan. Doch laut Expertenmeinung ließe sich das Problem vergleichsweise günstig mit gezielter Sprengtechnik lösen.
Ein alternativer Vorschlag: Die Überreste im Atlantik versenken und als künstliches Riff für Meeresbewohner nutzen – ein Ansatz, der andernorts bereits erfolgreich erprobt wurde.
Fledermäuse als letztes Argument gegen Abriss
Einzige „Bewohner“ der Ruine sind inzwischen Fledermäuse. Ihr Schutz wird als Argument gegen den Abriss angeführt. Doch Umweltkenner warnen: Sollte das Bauwerk weiterhin ungesichert verfallen, droht ein unkontrollierter Kollaps ins Meer – mit ungewissen Folgen für Mensch, Tier und Natur.
Anwohner fordern klares Handeln statt weiterem Stillstand
Die Geduld der Menschen vor Ort ist längst aufgebraucht. Sie fordern von der Politik endlich entschlossenes Handeln, bevor es zu einer Katastrophe kommt. Denn eines ist sicher: Das Skelett von La Matanza wird sich nicht ewig halten – und das nächste große Stück, das herabstürzt, könnte Menschenleben kosten.
Ein Mahnmal der Untätigkeit
Was bleibt, ist eine mahnende Erinnerung daran, wie politische Lähmung und fehlende Verantwortlichkeiten über Jahrzehnte ein potenzielles Unglück heranwachsen ließen – und wie schwer es ist, Fehler der Vergangenheit zu korrigieren, wenn niemand die Verantwortung übernimmt.
