Hotel du Lac: Tunesiens Brutalismus-Ikone fällt

Foto: Stefan Krasowski/CC BY 2.0
Foto: Stefan Krasowski/CC BY 2.0

Tunis. In Tunis verschwindet eines der bekanntesten Bauwerke des Landes: Das Hotel du Lac, eine Brutalismus-Ikone der 1970er-Jahre, wird abgerissen. Bagger haben mit den Arbeiten begonnen – trotz jahrelanger Proteste von Architekturfans, Aktivistinnen und selbst „Star Wars“-Anhängerinnen.

Das 1973 eröffnete Hotel galt mit seiner umgedrehten Pyramidenform als Symbol der Moderne im unabhängigen Tunesien. Entworfen vom italienischen Architekten Raffaele Contigiani, bot es mehr als 400 Zimmer und beherbergte internationale Gäste wie James Brown. 2000 wurde das Haus geschlossen, 2010 ging es an die libysche Firma Lafico, die nun den Abriss und den Bau eines 20-stöckigen Luxuskomplexes für rund 150 Millionen Dollar vorantreibt.

Besonders strittig ist der Umgang mit dem architektonischen Erbe. Kritiker bezeichnen den Abriss als Skandal und Verlust für das Weltkulturerbe. Architekturhistoriker Adnen El Ghali spricht vom „wichtigsten brutalistischen Bauwerk Afrikas“. Auch internationale Medien wie Le Figaro äußern sich kritisch. Eine Petition gegen den Abriss sammelte binnen Tagen über 6000 Unterschriften. Viele zweifeln zudem an der Transparenz der Genehmigungen und vermuten Korruption.

Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die Verbindung zur Popkultur: Das Hotel du Lac soll das Design des Sandcrawlers in „Star Wars: Eine neue Hoffnung“ inspiriert haben. Da George Lucas die Dreharbeiten in Tunesien durchführte, gilt das Gebäude seither als Mythos in der Fanwelt.

Mit dem Abriss endet nicht nur ein Kapitel tunesischer Architekturgeschichte – sondern auch ein Stück globaler Popkultur. Wo einst ein brutalistisches Wahrzeichen stand, soll bald ein Luxusneubau in den Himmel ragen.

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