Ostmoderne im Fokus: Kampf ums bauliche Erbe der DDR

Schwimmhalle Dresden. Foto: Paulae/CC BY-SA 4.0
Schwimmhalle Dresden. Foto: Paulae/CC BY-SA 4.0

Die Bauten der ostdeutschen Nachkriegsmoderne erleben mehr als 35 Jahre nach dem Ende der DDR eine neue Aufmerksamkeit. Was lange als graue DDR-Architektur abgetan wurde, wird zunehmend als Teil der Bau- und Alltagsgeschichte verstanden. Das Denkmalnetz Sachsen widmet sich deshalb am 17. September 2026 in Leipzig dem ehrenamtlichen Engagement für den Erhalt dieser Gebäude.

Zwischen Erinnerung und Denkmalschutz

Im Mittelpunkt der Veranstaltung „Engagement durch Erinnerung“ steht die Frage, warum sich Menschen heute mit der Ostmoderne beschäftigen und welche Bedeutung diese Gebäude für die Erinnerungskultur haben. Dabei geht es nicht allein um Architektur. Viele Bauten sind eng mit persönlichen Erinnerungen, Stadtgeschichte und der Identität ganzer Generationen verbunden.

Bürger erforschen, retten und beleben

Anhand mehrerer Projekte soll gezeigt werden, was ehrenamtliche Denkmalpflege konkret leisten kann. Vorgestellt wird unter anderem die geplante Reaktivierung des Kulturhauses „Neues Leben“ in Borstendorf. Außerdem geht es um die Erforschung der ehemaligen POS „Juri Gagarin“ beziehungsweise der heutigen 49. Grundschule „Bernhard von Lindenau“ in Dresden-Plauen. Ein weiterer Schwerpunkt ist die sogenannte VT-Falte, eine charakteristische Dachkonstruktion der DDR-Moderne.

Ostmoderne zwischen Abriss und Anerkennung

Gerade bei Gebäuden der DDR-Zeit entscheidet sich vielerorts noch immer zwischen Abriss, Sanierung und Umnutzung. Das Problem: Viele dieser Bauten sind inzwischen selbst sanierungsbedürftig und stehen unter wirtschaftlichem Druck. Gleichzeitig wächst das Bewusstsein dafür, dass auch die Architektur der DDR zum historischen Gedächtnis ostdeutscher Städte gehört.

Die Leipziger Veranstaltung setzt deshalb ein wichtiges Signal: Denkmalschutz entsteht nicht erst, wenn ein Gebäude offiziell als wertvoll gilt. Er beginnt häufig dort, wo Menschen anfangen, sich für seine Geschichte einzusetzen.

Die Veranstaltung findet am 17. September 2026 von 18 bis 20 Uhr in der Stadtbibliothek Leipzig statt. Zum Abschluss ist eine Podiumsdiskussion mit den Referenten und Leipzigs Bürgermeister für Stadtentwicklung und Bau, Thomas Dienberg, vorgesehen.

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