Berlin. Er ist eines der ungewöhnlichsten baulichen Relikte der Berliner Stadtgeschichte: der Schwerbelastungskörper an der General-Pape-Straße in Tempelhof. Der gewaltige Betonkoloss entstand im Zusammenhang mit den nationalsozialistischen Planungen für einen monumentalen Umbau Berlins und sollte Aufschluss darüber geben, ob der Berliner Untergrund die geplanten gigantischen Bauwerke überhaupt tragen könnte. Am 20. September 2026 wird der Schwerbelastungskörper erneut zum Schauplatz für die Auseinandersetzung mit Berliner Industriekultur. Der Bezirk Tempelhof-Schöneberg beteiligt sich an diesem Tag am Festival der Berliner Industriekultur und bindet den historischen Ort erstmals mit einem eigenen Angebot ein.
Gigantisches Bauwerk für gigantische Baupläne
Der Schwerbelastungskörper ist kein gewöhnlicher Bunker und auch kein klassischer Lost Place. Der massive Betonbau ist ein Überbleibsel der städtebaulichen Größenfantasien des NS-Regimes. Mit dem Baukörper sollte untersucht werden, wie sich der schwere Untergrund unter einer extremen Belastung verhält. Hintergrund waren die Pläne für die sogenannte „Welthauptstadt Germania“, für deren monumentale Bauwerke teilweise gewaltige Fundamente erforderlich gewesen wären. Heute steht der Schwerbelastungskörper als steinernes Zeugnis für diese Planungen und die technischen Voraussetzungen ihrer Umsetzung.
Industriekultur statt vergessener Betonklotz
Beim Aktionstag soll der Schwerbelastungskörper nicht isoliert betrachtet werden. Vielmehr ist er Teil einer größeren Route durch Tempelhof-Schöneberg, die unterschiedliche Kapitel der Industrie- und Technikgeschichte miteinander verbindet. Besucher können dabei historische Orte entdecken, die sonst teilweise nur schwer zugänglich oder weniger bekannt sind. Der Aktionstag macht damit sichtbar, wie stark Industrie, Verkehr, Technik und Stadtentwicklung die Geschichte des Bezirks geprägt haben.
Kostenfrei zum Schwerbelastungskörper
Der Informationsort an der General-Pape-Straße/Loewenhardtdamm ist am Sonntag, 20. September, von 10 bis 18 Uhr kostenlos geöffnet. Von 12.15 bis 13.30 Uhr steht außerdem ein Guide vor Ort für Fragen rund um den Schwerbelastungskörper zur Verfügung. Damit erhalten Besucher die Möglichkeit, sich unmittelbar am historischen Bauwerk über dessen Geschichte und Bedeutung zu informieren.
Historische Doppeldecker verbinden die Schauplätze
Besonders interessant für Besucher: Zwischen den Veranstaltungsorten verkehren drei historische Doppeldeckerbusse. Die kostenlosen Hop-on-Hop-off-Shuttles fahren im Halbstundentakt und verbinden die verschiedenen Stationen des Aktionstags. Während der Fahrt informieren Guides von „Zeit-Reisen“ über die Industriegeschichte Tempelhof-Schönebergs. Damit wird aus einzelnen historischen Orten eine zusammenhängende Route durch die Vergangenheit des Bezirks.
Vom Flachbunker bis zum Flughafen Tempelhof
Auf dem Programm stehen zahlreiche weitere Stationen. Dazu gehören unter anderem die BSR-Hauptwerkstatt, der THF TOWER und der Flughafen Tempelhof. Auch die historische Fliegersiedlung Gartenstadt Neu-Tempelhof mit ihrem Flachbunker, das Depot des Museums für Kommunikation Berlin, der Natur Park Südgelände und die ufaFabrik sind Teil des Aktionstags. Damit reicht das Spektrum von Verkehr und Infrastruktur über Luftfahrt und Industrie bis hin zu historischen Schutzbauten und heutigen Kulturstandorten.
Der Schwerbelastungskörper ist dafür ein besonders eindrucksvolles Beispiel: ein monumentales Relikt, das mitten im Berliner Stadtgebiet über Jahrzehnte seine Geschichte bewahrt hat. Am 20. September wird dieser ungewöhnliche Zeitzeuge nun Teil eines Aktionstags, der die industrielle Vergangenheit Tempelhof-Schönebergs aus unterschiedlichen Perspektiven erlebbar machen will.
