Vogt-Hallen weichen dem Abrissbagger

Foto: Stadt Schlüchtern
Foto: Stadt Schlüchtern

Schlüchtern. Nach über zwei Jahrzehnten Stillstand verschwindet eines der größten Sorgenkinder im Stadtbild Schlüchterns: das Gelände der einst florierenden Firma Vogt, bekannt als Hersteller von Schlachttechnik, wird endlich transformiert. Nachdem das Unternehmen im Jahr 2001 Insolvenz anmeldete, lag das Areal brach – verfallen, vermüllt, mit erheblichen Sicherheitsrisiken direkt neben einem Wohngebiet.

Rückkauf nach zähen Verhandlungen

Jahrelang kämpfte Bürgermeister Matthias Möller (parteilos) um den Rückkauf des Areals, das zwischenzeitlich in den Besitz des Landes Hessen übergegangen war. Erst kürzlich konnte die Stadt Schlüchtern das Grundstück offiziell übernehmen und mit dem Rückbau beginnen. Die Vorbereitungen waren komplex: Altlasten in Boden, Luft und Grundwasser wurden über Jahre hinweg saniert, das Gelände geologisch untersucht und auch auf mögliche Kampfmittel aus dem Zweiten Weltkrieg geprüft – ohne Fund.

Abriss mit Augenmaß und Nachhaltigkeit

Statt radikalem Abriss setzt die Stadt auf einen ressourcenschonenden Rückbau. „Was erhalten werden kann, wird erhalten“, erklärt Darius Lotz von der städtischen Bautechnik. Zwei Gebäude entgehen dem Abriss: Eine 1.000 Quadratmeter große Halle im unteren Teil des Geländes soll künftig als Kulturhalle für Konzerte und Veranstaltungen dienen. Im ehemaligen Bürokomplex von 1994 entsteht unter der Federführung eines privaten Unternehmens ein Schulungs- und Beratungszentrum. Bei ersten Arbeiten wurde eine Edelstahl-Zeitkapsel aus dem Jahr 1995 entdeckt – ein symbolischer Fund für einen Ort im Wandel.

Sozialer Wohnraum im Fokus

Die langfristige Nutzung des Geländes ist Teil des Städtebauförderprogramms „Sozialer Zusammenhalt“. Vorgesehen ist der Bau mehrerer Einheiten mit Sozialwohnungen und barrierefreiem Wohnraum – vor allem für Senioren und einkommensschwächere Haushalte. Ein städtebaulicher Impuls, der Schlüchtern nicht nur neue Nutzungsperspektiven bringt, sondern auch ein Kapitel städtebaulichen Stillstands beendet.

Bürgermeister Möller zieht ein positives Fazit: „Nach 24 Jahren können wir endlich handeln. Es ist ein Meilenstein für die Stadtentwicklung – aus einem Schandfleck wird ein Zukunftsquartier.“

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