Verlassener Lokschuppen öffnet seine Tore

Foto: Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg
Foto: Vier-Tore-Stadt Neubrandenburg

Neubrandenburg. Ein Ort, der über Jahre für die Öffentlichkeit tabu war, wird in Neubrandenburg wieder zugänglich: Das historische Lokschuppenareal öffnet am 13. September 2026 im Rahmen des bundesweiten Tags des offenen Denkmals erstmals seit rund 15 Jahren wieder seine Tore. Neben dem ehemaligen Eisenbahnstandort stehen auch die Tollensekaserne und die mittelalterliche Wallanlage auf dem Programm. Besonders großes Interesse dürfte dem ehemaligen Lokschuppenareal gelten. Nach umfangreichen Sicherungsmaßnahmen am älteren Lokschuppen kann das Gelände erstmals seit etwa 15 Jahren wieder von Besuchern betreten werden.

Das Areal ist ein bemerkenswertes Zeugnis der Neubrandenburger Verkehrs- und Industriegeschichte. Die historischen Gebäude und Gleisanlagen dokumentieren, wie eng Eisenbahn, technische Infrastruktur und die Entwicklung der Stadt miteinander verbunden waren. Der Lokschuppen stammt aus dem 19. Jahrhundert und wurde auch während der DDR-Zeit genutzt. Nach dem Ende seiner ursprünglichen Funktion geriet das Gelände zunehmend aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit und entwickelte sich zu einem abgeschotteten, verlassenen Ort.

Blick hinter die Kulissen

Die Öffnung soll jedoch nicht nur einen Blick auf vergangene Zeiten ermöglichen. Während der Führungen wird auch die geplante Zukunft des Areals thematisiert. Fachleute informieren über die Geschichte des Standorts, die städtebaulichen Planungen für das künftige digitale Innovationszentrum und das geplante Bahnhof-Quartier. Dabei geht es auch um die Frage, wie historische Bausubstanz erhalten und gleichzeitig in neue Nutzungskonzepte integriert werden kann. Gerade diese Verbindung macht das Lokschuppenareal interessant: Der ehemalige Lost Place soll nicht einfach verschwinden, sondern Teil einer neuen Entwicklung des Umfelds werden.

Führungen bereits ausgebucht

Das öffentliche Interesse an der außergewöhnlichen Öffnung ist groß. Die Führungen über das Lokschuppenareal sind nach Angaben der Stadt bereits ausgebucht. Im Rathaus wird deshalb geprüft, ob ein zusätzlicher Termin angeboten werden kann. Sollte dies möglich sein, könnten weitere Interessierte die Gelegenheit erhalten, den jahrzehntelang verschlossenen Ort kennenzulernen. Die Führung findet in kleinen Gruppen statt. Besucher sollten allerdings beachten, dass das Gelände nicht barrierefrei ist.

Auch die Tollensekaserne öffnet ihre Türen

Neubrandenburg bietet zum Tag des offenen Denkmals weitere Einblicke in Bereiche, die normalerweise nicht frei zugänglich sind. Am Vormittag steht die Tollensekaserne „Weg am Hang“ im Mittelpunkt. Die Bundeswehr ermöglicht dort eine Führung durch den Standort. Dabei geht es nicht ausschließlich um die militärische Nutzung. Im Mittelpunkt steht insbesondere der denkmalpflegerische Wert der Gesamtanlage. Zusätzlich werden zwei denkmalgeschützte Kunstwerke vorgestellt. Damit wird ein Teil der jüngeren Geschichte Neubrandenburgs sichtbar, der im normalen Stadtbild kaum zugänglich ist.

Mittelalterliche Wallanlage als dritter Veranstaltungsort

Eine weitere Führung führt zu den mittelalterlichen Wall- und Wehranlagen der Stadt. Dort erhalten Besucher Einblicke in aktuelle archäologische Erkenntnisse. Im Mittelpunkt stehen die historischen Verteidigungsanlagen und das Wegenetz, das die mittelalterliche Stadt geprägt hat. Die Führung beginnt um 13 Uhr am Haupteingang des Rathauses und dauert etwa eine Stunde. Die Strecke ist allerdings nur bedingt barrierefrei.

Denkmale und Infrastruktur im Mittelpunkt

Der diesjährige Tag des offenen Denkmals steht unter dem Motto „NetzWERKE: Denkmale & Infrastruktur“. Seit 1993 organisiert die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die bundesweite Veranstaltung. Ein zentrales Ziel besteht darin, Gebäude, Anlagen und Denkmale zugänglich zu machen, die normalerweise nicht oder nur eingeschränkt besichtigt werden können. In Neubrandenburg passt das Motto besonders gut zum Programm. Lokschuppen, Gleisanlagen, Kaserne und mittelalterliche Wehranlagen erzählen jeweils auf unterschiedliche Weise von Infrastruktur und deren Bedeutung für die Entwicklung der Stadt.

Zwischen Vergangenheit und Zukunft

Gerade das Lokschuppenareal steht dabei für einen besonderen Wandel. Über Jahrzehnte war der historische Eisenbahnstandort ein abgeschlossener Bereich und wurde schließlich zu einem Lost Place. Nun wird das Gelände erstmals wieder öffentlich erlebbar. Gleichzeitig stehen große Veränderungen bevor. Mit dem geplanten digitalen Innovationszentrum und dem Bahnhof-Quartier soll das Umfeld künftig neu entwickelt werden. Die Öffnung des Lokschuppens ist deshalb mehr als eine einmalige Besichtigung. Sie bietet einen Blick auf einen Ort zwischen Vergangenheit und Zukunft – und auf die schwierige Frage, wie historische Industrie- und Verkehrsbauten in eine moderne Stadtentwicklung integriert werden können.

Anmeldung für die Tollensekaserne noch möglich

Während die Führung über das Lokschuppenareal bereits ausgebucht ist, können sich Interessierte weiterhin für die Führung durch die Tollensekaserne anmelden. Die Teilnehmerzahl ist dort auf 40 Personen begrenzt. Eine Anmeldung ist bis zum 4. September 2026 erforderlich. Über die Anmeldung erhalten Teilnehmer auch weitere Informationen zu Uhrzeit und Treffpunkt. Der Tag des offenen Denkmals bietet damit eine seltene Gelegenheit, gleich mehrere historische Bereiche Neubrandenburgs kennenzulernen – darunter mit dem Lokschuppen einen Ort, der nach rund 15 Jahren erstmals wieder für die Öffentlichkeit geöffnet wird.

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