Pläne für Schade-Brauerei in der Kritik

Foto: rottenplaces Archivfoto
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Dessau. Vor mehr als einem Jahrzehnt schien die Zukunft der historischen Schade-Brauerei in Dessau-Roßlau gesichert. Nach dem Verkauf des denkmalgeschützten Gebäudekomplexes an den Pharmahersteller IDT Biologika herrschte Zuversicht. Ein Tagungszentrum sollte entstehen, die Gebäude erhalten und mit neuem Leben gefüllt werden. Doch im Jahr 2026 ist von diesen Plänen kaum noch etwas übrig. Die Brauerei verfällt weiter, während bereits die nächste Machbarkeitsstudie präsentiert wird. Statt eines konkreten Bauprojekts sorgt sie jedoch vor allem für Ernüchterung und heftige Diskussionen im Stadtrat.

Neues Konzept würde rund 25 Millionen Euro kosten

Nachdem ein erster Entwurf mit kalkulierten Baukosten von rund 15,5 Millionen Euro vor einigen Jahren scheiterte, liegt nun ein neues Konzept des Beratungsunternehmens Drees & Sommer auf dem Tisch. Das Büro hatte einen von der Stadt ausgeschriebenen Ideenwettbewerb gewonnen und seine Pläne gemeinsam mit der Verwaltung entwickelt. Die neue Variante fällt allerdings deutlich teurer aus. Rund 25 Millionen Euro müssten investiert werden. Gleichzeitig sieht das Konzept erhebliche Eingriffe in die historische Bausubstanz vor. Große Teile der ehemaligen Brauerei würden abgerissen. Lediglich die beiden markanten Treppentürme sollen dauerhaft erhalten bleiben – allerdings lediglich als nicht zugängliches Sichtdenkmal.

Bundesgartenschau und neues Verwaltungsgebäude als langfristige Vision

Die Pläne reichen weit in die Zukunft. Ab 2030 soll das Gelände im Einklang mit den Vorbereitungen auf die Bundesgartenschau begrünt werden. Vorgesehen ist außerdem eine temporäre Ausstellungshalle, die nach der Bundesgartenschau 2036 wieder zurückgebaut werden soll. Erst ab 2040 sieht das Konzept den Bau eines mehrgeschossigen Bürogebäudes vor. Dieses soll rund 4.300 Quadratmeter Bürofläche bieten und künftig von der Stadtverwaltung genutzt werden. Errichtet werden soll das Gebäude durch einen privaten Investor.

Kalkulierte Spitzenmieten stoßen auf massive Zweifel

Besonders kritisch sehen Kommunalpolitiker die wirtschaftlichen Annahmen der Studie. Das Gutachten kalkuliert mit durchschnittlichen Büromieten von 35 Euro pro Quadratmeter – ein Wert, der für viele Stadträte völlig unrealistisch erscheint. Frank Brozowski vom Freien Bürgerforum bezeichnete die Berechnungen als unbrauchbar. Er bezweifelte, dass sich für ein solches Projekt überhaupt ein Investor finden lasse oder ein Mieter bereit wäre, derartige Preise zu zahlen.

Die Wirtschaftsförderung hält dagegen. Dort verweist man auf bereits steigende Mietpreise in Dessau. Während moderne Neubauten heute teilweise Mieten von rund 17 Euro pro Quadratmeter erzielen, könnten bei einer jährlichen Steigerung von zwei Prozent bis 2040 durchaus deutlich höhere Werte erreicht werden.

Immobilienexperte sieht Berechnungen kritisch

Auch aus wissenschaftlicher Sicht bleiben Zweifel. Immobilienexperte Maik Zeißler von der Hochschule Anhalt geht davon aus, dass die Studie mit einer langfristigen Inflationsrate von zwei Prozent rechnet. Auf heutige Verhältnisse umgerechnet entspräche die angesetzte Spitzenmiete jedoch immer noch rund 28 Euro pro Quadratmeter. Zum Vergleich: Selbst in Leipzig liegen die derzeitigen Spitzenmieten für Büroflächen nur knapp über 20 Euro. Hinzu kommt, dass der Dessauer Büromarkt aktuell unter einem hohen Leerstand leidet. Auf Immobilienportalen werden zahlreiche freie Büroflächen angeboten – vielfach für Mietpreise von höchstens 7,50 Euro pro Quadratmeter.

Wirtschaftlichkeit erst in fast 50 Jahren erreicht

Selbst wenn sich die optimistischen Mietannahmen tatsächlich realisieren ließen, würde sich das Projekt nach den Berechnungen der Studie erst im Jahr 2073 wirtschaftlich rechnen. Damit läge der Zeitraum bis zum Erreichen erster Gewinne bei rund 47 Jahren. Auch eingeplante Fördermittel ändern daran kaum etwas. Diese sollen vor allem den Erhalt der denkmalgeschützten Brauerei finanzieren. Problematisch ist jedoch, dass eines der zentral eingeplanten Förderprogramme – der Städtebauliche Denkmalschutz – bereits im Jahr 2020 eingestellt wurde.

Stadträte warnen vor voreiligem Abriss der Schade-Brauerei

Neben den wirtschaftlichen Fragen sorgt vor allem der mögliche Teilabriss der historischen Brauerei für Kritik. Marianne Richter vom Freien Bürgerforum mahnte im Bauausschuss, Empfehlungen von Gutachten nicht ungeprüft zu übernehmen. Als Beispiel verwies sie auf das Dessauer Schwabehaus, das nach ähnlichen Einschätzungen heute möglicherweise nicht mehr existieren würde.

Damit bleibt die Zukunft der Schade-Brauerei weiterhin offen. Während die Gebäude Jahr für Jahr weiter verfallen, steht die Stadt erneut vor der Frage, wie sich Denkmalschutz, Wirtschaftlichkeit und Stadtentwicklung miteinander vereinbaren lassen. Ob die neue Studie tatsächlich den Weg für eine Lösung ebnet oder lediglich eine weitere Bestandsaufnahme bleibt, dürfte die Kommunalpolitik noch lange beschäftigen.

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