Freudenstadt. Das ehemalige Grandhotel Waldlust in Freudenstadt erlebt seinen zweiten Sommer als Bühne für Kunst und Kultur. Bis Ende September verwandeln 16 Studierende der Kunstakademie Stuttgart den verwilderten Hotelpark in ein kreatives Experimentierfeld. Skulpturen, Installationen und Bilder nehmen Bezug auf Natur, Geschichte und das morbide Flair der denkmalgeschützten Anlage. Am 17. August öffnet das Haus erneut für einen Besuchersonntag mit Führungen – ein Termin, zu dem Interessierte aus ganz Baden-Württemberg erwartet werden.
Vom „Lost Place“ zum Kulturdenkmal
Noch vor wenigen Jahren galt die Waldlust vor allem als „Lost Place“ voller Geistergeschichten und Schauplatz für Fotografen oder Filmcrews. Heute verfolgt der Verein Denkmalfreunde Waldlust e.V. ein klares Ziel: Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude, das über 60 Jahre europäische Hotelgeschichte schrieb, soll nicht länger dem Verfall preisgegeben werden. Stattdessen will man es als lebendigen Ort der Begegnung neu erfinden – getragen von Kunst, Kultur und Bildung.
„Die Waldlust ist ein Schatz, der in Erinnerung bleiben muss“, betont Vereinsvorsitzender Matthias Jarcke, Architekt in Freudenstadt. Unterstützt wird er von Kunstexperte Carl-Christof Gebhardt, der seit Jahren kreative Impulse in das Projekt einbringt.
Glanzvolle Vergangenheit mit Weltgästen
Um die Faszination des Hauses zu verstehen, genügt ein Blick in seine Geschichte. 1901 vom Schwarzwälder Hotelier Ernst Luz gegründet, avancierte das von Architekt Wilhelm Vittali entworfene Haus rasch zum Treffpunkt für Hochadel, Künstler und wohlhabendes Bürgertum. Thomas Mann ließ sich im „Zauberberg“ von diesem Ambiente inspirieren. Gäste wie die Rockefellers, US-Filmgrößen, europäische Königsfamilien und sogar der Schah von Persien feierten hier in den glanzvollen Sälen.
Der Jugendstil-Aufzug, die Stuck-Säulen im Ballsaal oder die langen Flure mit Schwarzwaldpanorama erzählen noch heute vom Luxusleben der Gäste. Im Zweiten Weltkrieg diente das Hotel als Lazarett, später folgten kurze Blütezeiten, bis 2005 endgültig der Hotelbetrieb eingestellt wurde.
Zukunft: Ein Ort für Kunst, Bildung und Begegnung
Heute denkt der Verein Waldlust neu. Statt wieder ein Hotel zu eröffnen, soll das Areal künftig als Plattform für Kunst, Seminare und Workshops genutzt werden – in enger Kooperation mit Hochschulen, Berufsverbänden und Kulturschaffenden. Gespräche mit dem aktuellen Investor aus dem Raum Frankfurt laufen, um Gebäude und Park langfristig in den Besitz des Vereins zu überführen.
Kulturkalender geht über den Sommer hinaus
Auch nach Ende des Kunstsommers am 28. September ist die Waldlust kein stiller Ort. In der wiedereröffneten Bar „Zwitscherstube“ startet ein zehnteiliges Musikprogramm. Namhafte Ensembles wie die Linda Kyei Swing Combo, das Karolin Höffler Quintett oder die Gruppe Berta Epple stehen auf dem Spielplan – mit Klassik, Jazz, Swing und Comedy.
So wird die Waldlust, einst Symbol des Luxus, zunehmend zu einem kulturellen Laboratorium, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft auf besondere Weise miteinander verbindet.
Der Online-Kartenvorverkauf hat unter www.waldlust-denkmal.de begonnen.
