„Monte Pinnow“ in Sande: Lost Place mit zweitem Leben

Foto: Einheitsgemeinde Sande
Foto: Einheitsgemeinde Sande

Sande. Am Bahnhof von Sande bei Wilhelmshaven steht ein ungewöhnlicher Betonkoloss, der eigentlich längst verschwunden sein sollte. Der ehemalige Luftschutzbunker aus dem Zweiten Weltkrieg wurde nach Kriegsende zur Sprengung vorbereitet. Doch der Versuch scheiterte: Statt zusammenzustürzen, neigte sich der massive Bau lediglich zur Seite. Heute steht der „Monte Pinnow“ rund 18 Grad schief und ist damit ein außergewöhnliches Zeugnis seiner Geschichte.

Schutzbau für bis zu 600 Menschen

Der etwa 18 Meter hohe Bunker entstand während des Zweiten Weltkriegs zum Schutz von Bahnreisenden. Auf sechs Etagen konnten nach Angaben der DAV-Sektion Wilhelmshaven rund 500 bis 600 Menschen Schutz finden. Zur Ausstattung gehörten unter anderem eine Wasserversorgung, Toiletten und eine Belüftungsanlage, die vor den Folgen von Explosionen und Kampfstoffen schützen sollte.

Aus dem Bunker wurde ein Kletterturm

Nach dem gescheiterten Abriss blieb der Bau zunächst als militärisch unbrauchbares Relikt stehen. Eine neue Perspektive erhielt er Jahrzehnte später: 1983 übernahm die DAV-Sektion Wilhelmshaven den Bunker und das Gelände. Anschließend wurde der Betonkoloss zu einer Kletteranlage umgebaut.

Heute befinden sich sowohl innen als auch außen Kletterrouten, Boulderbereiche und Klettersteige. Die ungewöhnliche Schräglage ist dabei längst Teil des besonderen Charakters der Anlage.

Lost Place mit zweitem Leben

Auch wer nicht klettert, kann den „Monte Pinnow“ bei Führungen besichtigen. Seit 2015 besteht dafür eine Kooperation zwischen der Gemeinde Sande und dem Deutschen Alpenverein. Aus einem Bauwerk, das eigentlich beseitigt werden sollte, wurde damit eine ungewöhnliche Sehenswürdigkeit und ein Beispiel dafür, wie sich die Bedeutung historischer Relikte verändern kann.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert