Ein historischer Wendepunkt für die Logistikbranche in Deutschland: Im ersten Halbjahr 2025 wurden erstmals mehr Logistikneubauten auf ehemaligen Industrieflächen als auf unbebauten Grundstücken realisiert. Laut dem aktuellen Marktbericht des Beratungsunternehmens Logivest entfallen rund 52 Prozent der insgesamt 1,7 Millionen Quadratmeter neuen Logistikflächen auf sogenannte Brownfields – also auf bereits genutzte und inzwischen brachliegende Industrieareale.
„Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ohne die Wiederbelebung alter Industriestandorte ist der Logistikbedarf nicht mehr zu decken“, erklärt Kuno Neumeier, CEO der Logivest Gruppe. Während 2024 noch etwa 60 Prozent der Neubauten auf unberührtem Boden – sogenannten Greenfields – errichtet wurden, hat sich das Verhältnis in diesem Jahr erstmals zugunsten der Brownfields verschoben.
Ein zentraler Treiber dieser Entwicklung ist das von der Bundesregierung formulierte Ziel, den täglichen Flächenverbrauch bis 2030 auf unter 30 Hektar zu senken. Hinzu kommt der politische und gesellschaftliche Druck, nachhaltiger zu bauen und Flächenversiegelung zu vermeiden. In Kombination mit der knappen Verfügbarkeit von neuen Gewerbeflächen zwingt das viele Projektentwickler, verstärkt auf ehemalige Industrieareale zurückzugreifen.
Besonders großvolumige Logistikprojekte entstehen mittlerweile fast ausschließlich auf Brownfields. Ein prominentes Beispiel ist der MLP Business Park Schalke, mit knapp 72.000 Quadratmetern derzeit das größte Logistikneubauprojekt in Deutschland. Es entsteht auf dem Gelände des stillgelegten Thyssen-Drahtwerks in Gelsenkirchen – und soll bereits Ende 2025 erste Hallen in Betrieb nehmen.
Als Hotspot der Brownfield-Nutzung gilt das Ruhrgebiet: Rund 90 Prozent der aktuellen Projekte dort entstehen auf ehemaligen Industrieflächen. „Die Logistikbranche trägt hier wesentlich zum Strukturwandel bei“, so Neumeier. Die Revitalisierung solcher Areale bringe nicht nur wirtschaftliche Impulse, sondern sei auch ökologisch sinnvoll.
Tatsächlich rücken Nachhaltigkeit und Klimaschutz immer stärker in den Fokus: Alle drei größten Logistikprojekte des laufenden Jahres setzen auf Solaranlagen, begrünte Außenanlagen und energieeffiziente Gebäudekonzepte – ein Signal, dass ökonomischer Bedarf und ökologische Verantwortung zunehmend Hand in Hand gehen.
