Voerde. Das ehemalige Steinkohlekraftwerk Voerde verschwindet weiter aus dem Stadtbild. Nach Kühlturm und Schornstein steht nun der nächste große Schritt beim Rückbau der gewaltigen Industrieanlage bevor: RWE will am 21. August 2026 das alte Kesselhaus des Kraftwerksblocks B sowie zwei Entstickungsanlagen kontrolliert sprengen. Die betroffenen Bauwerke nehmen zusammen eine Fläche von etwa einem Fußballfeld ein. Damit geht der Rückbau des traditionsreichen Kraftwerksstandortes am Niederrhein in eine weitere spektakuläre Phase. Wo über Jahrzehnte Steinkohle verstromt wurde, soll künftig eine neue industrielle Nutzung entstehen.
Sprengung am 21. August
Für die geplante Sprengung haben RWE und die Stadt Voerde ein umfangreiches Sicherheitskonzept ausgearbeitet. Am Sprengtag gilt rund um die abzubrechenden Gebäude ein Sperrbereich mit einem Radius von 350 Metern. Niemand darf sich während der Sprengung innerhalb dieser Zone aufhalten. Auch für Anwohner und Verkehrsteilnehmer hat der Rückbau Konsequenzen. Einige Gebäude an der Ahrstraße und der Frankfurter Straße müssen vorübergehend geräumt werden. Zudem wird die Frankfurter Straße zwischen Steinstraße und Friedrichstraße am 21. August vollständig gesperrt. Die Sperrungen sollen voraussichtlich zwischen 10 und 14 Uhr gelten. Anders als bei früheren Arbeiten ist diesmal keine Sperrung des Rheins für die Schifffahrt erforderlich.
Ein weiterer Koloss verschwindet
Die geplante Sprengung ist nicht die erste spektakuläre Aktion auf dem Kraftwerksgelände. Bereits im Dezember 2023 wurde der rund 165 Meter hohe Kühlturm des Kraftwerks kontrolliert zu Fall gebracht. Im Dezember 2025 folgte ein rund 180 Meter hoher Schornstein. Für dessen Sprengung musste damals sogar der Rhein vorübergehend für die Schifffahrt gesperrt werden. Mit dem Kesselhaus und den Entstickungsanlagen verschwindet nun ein weiterer markanter Teil der ehemaligen Kraftwerksarchitektur.
Ende einer Ära der Kohleverstromung
Das Steinkohlekraftwerk Voerde prägte über Jahrzehnte die industrielle Landschaft am Niederrhein. Die Stilllegung erfolgte 2017. Seitdem wird der Standort Schritt für Schritt zurückgebaut. Der Abriss ist dabei weit mehr als die Beseitigung alter Industriegebäude: Mit jedem gesprengten Bauwerk verschwindet ein Stück der regionalen Energiegeschichte. Der Rückbau macht gleichzeitig Flächen für eine neue Nutzung frei. RWE verfolgt für den Standort bereits konkrete Zukunftspläne.
Wasserstoff und neues Kraftwerk statt Kohle
Auf dem ehemaligen Kraftwerksgelände soll künftig moderne Energieinfrastruktur entstehen. RWE plant dort unter anderem ein wasserstofffähiges Gaskraftwerk, das nach derzeitigen Planungen bereits Ende 2030 in Betrieb gehen könnte. Darüber hinaus sind Anlagen zur Erzeugung von Wasserstoff vorgesehen. Dabei soll überschüssiger Strom, unter anderem aus Windenergieanlagen in der Nordsee, genutzt werden können, um Wasserstoff herzustellen. Der einstige Standort der Kohleverstromung könnte damit zu einem Baustein der Energiewende werden.
Kraftwerksgelände wird zum Zukunftsstandort
Der Wandel in Voerde könnte damit kaum größer sein: Aus einem stillgelegten Steinkohlekraftwerk soll ein moderner Energiestandort werden. Der massive Rückbau ist dafür eine notwendige Voraussetzung. Gebäude, Kesselanlagen, Schornsteine und weitere technische Einrichtungen müssen verschwinden, bevor neue Infrastruktur entstehen kann. Für die Region bedeutet das einen tiefgreifenden Wandel. Das weithin sichtbare Kraftwerk war über Jahrzehnte ein Symbol der industriellen Energieversorgung. Künftig soll der Standort für neue Technologien und eine veränderte Energieversorgung stehen.
Noch ist der Kraftwerkskoloss nicht verschwunden
Trotz der bereits erfolgten Sprengungen ist der Rückbau des Kraftwerks noch nicht abgeschlossen. Die kommenden Monate werden das Erscheinungsbild des Geländes weiter verändern. Der 21. August dürfte dabei erneut ein markanter Termin werden. Wenn Kesselhaus und Entstickungsanlagen planmäßig fallen, verliert Voerde weitere prägende Relikte seiner Kohlekraftwerksgeschichte. Aus dem einstigen Kraftwerkskoloss wird Schritt für Schritt eine neue Industriefläche. Die spektakulären Sprengungen markieren dabei sichtbar den Übergang von der alten Kohlewirtschaft zu einem möglichen Energie- und Wasserstoffstandort der Zukunft.
