Kraftwerk-Schornstein erfolgreich gesprengt

Foto: Hagedorn Unternehmensgruppe
Foto: Hagedorn Unternehmensgruppe

Ibbenbüren. Mit einem gewaltigen Knall ist am Sonntag ein Stück Industriegeschichte in Nordrhein-Westfalen verschwunden. Das ehemalige Kohlekraftwerk in Ibbenbüren wurde planmäßig gesprengt. Dabei stürzten drei Gebäude sowie der markante 275 Meter hohe Schornstein zu Boden. Lediglich der Treppenturm blieb stehen – genau wie von den Verantwortlichen vorgesehen. Für viele Menschen in der Region war der Schlot über Jahrzehnte ein vertrauter Orientierungspunkt und Symbol der industriellen Vergangenheit. Andere sahen in seinem Verschwinden die Chance auf eine neue Nutzung des Geländes und eine aufgewertete Landschaft.

Banges Warten auf freie Sicht

Vor der Sprengung richteten sich die Blicke vieler Schaulustiger immer wieder gen Himmel. Allerdings nicht aus Sorge vor technischen Problemen. Vielmehr spielte das Wetter eine entscheidende Rolle. Dichte Wolken, Nieselregen und schlechte Sicht erschwerten die Beobachtung des spektakulären Ereignisses. Der riesige Schornstein verschwand zeitweise komplett in den tief hängenden Wolken. Viele Besucher fragten sich bis zuletzt, ob sie den entscheidenden Moment überhaupt sehen würden.

Präzise Sprengung mit 600 Kilogramm Sprengstoff

Trotz der schwierigen Wetterbedingungen verlief die Sprengung reibungslos. Insgesamt kamen rund 600 Kilogramm Sprengstoff zum Einsatz. An drei Stellen des Schornsteins waren Sprengladungen angebracht worden, um den kontrollierten Einsturz zu gewährleisten. Die Konstruktion faltete sich dadurch in mehrere Segmente zusammen. Während der untere Bereich gezielt wegknickte, stürzten die oberen Teile des Bauwerks in die Tiefe und durchbrachen dabei die Wolkendecke. Vor der eigentlichen Sprengung ertönten Sirenen. Zudem wurde eine kurze Vorsprengung durchgeführt, um Tiere aus dem Gefahrenbereich zu vertreiben.

Großaufgebot sorgt für Sicherheit

Hinter dem spektakulären Rückbau stand ein erheblicher logistischer Aufwand. Die beauftragte Spezialfirma Hagedorn war mit rund 150 Mitarbeitenden vor Ort. Weitere etwa 100 Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr, THW und anderen Organisationen sicherten das Gelände und die umliegenden Bereiche ab. Lediglich starker Sturm hätte die Durchführung der Sprengung verhindern können. Ansonsten gelten solche Rückbauarbeiten als weitgehend wetterunabhängig.

Energiewende statt Kohle: Was auf dem Gelände entsteht

Mit dem Verschwinden des Kraftwerks endet nicht nur ein Kapitel der Kohleverstromung. Gleichzeitig beginnt die Zukunft des Standorts. Nach Abschluss der Aufräumarbeiten soll die Fläche an den Netzbetreiber Amprion übergeben werden. Dort entsteht ein sogenannter Konverter, der künftig Offshore-Windstrom von der Nordsee umwandelt und in das nordrhein-westfälische Stromnetz einspeist. Die Anlage gilt als wichtiger Baustein der Energiewende. Je nach Strombedarf könnten künftig ein bis zwei Millionen Menschen mit Energie versorgt werden, die an diesem Standort verarbeitet wird.

Ibbenbüren wird Schlüsselstandort für Offshore-Strom

Mit der geplanten Inbetriebnahme im Jahr 2031 soll Ibbenbüren eine Vorreiterrolle in Nordrhein-Westfalen einnehmen. Erstmals wird dann Offshore-Windenergie direkt in das Stromnetz des Bundeslandes eingespeist. Der neue Konverter schafft zudem einen ökologischen Vorteil: Da die Infrastruktur auf einer bereits industriell genutzten Fläche entsteht, müssen keine zusätzlichen Flächen an anderer Stelle versiegelt oder bebaut werden.

Mit der Sprengung des Kraftwerks endet damit die Ära der Kohle in Ibbenbüren endgültig – und macht Platz für ein zentrales Projekt der deutschen Energiewende.

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