Wandlitz. Die Flammen schlugen hoch in den Nachthimmel über dem Bogensee, doch der politische Wille scheint feuerfest: Trotz eines verheerenden Brandes auf dem geschichtsträchtigen Gelände nördlich von Berlin hält die Gemeinde Wandlitz unbeirrt an ihren ehrgeizigen Plänen fest. Wo einst NS-Propagandaminister Joseph Goebbels residierte und später die FDJ-Elite der DDR geschult wurde, soll nun – trotz Ruinen und Verfall – ein neues Kapitel aufgeschlagen werden.
Es war ein Schockmoment im Januar: Ein ehemaliges Lehrgebäude der einstigen FDJ-Hochschule stand in Flammen. Doch für Bürgermeister Oliver Borchert (Freie Bürgergemeinschaft) ist das kein Grund zur Kapitulation. „Wir haben immer noch große Pläne“, stellte er gegenüber dem RBB klar. Der Brand habe an der Entschlossenheit der Gemeinde nichts geändert. Vielmehr fungiert das Ereignis nun als Katalysator, um die festgefahrenen Fronten zwischen Denkmalschutz, dem Eigentümer Berlin und potenziellen Investoren in Bewegung zu bringen.
Das Erbe der Diktaturen
Das rund 16 Hektar große Areal im Landkreis Barnim ist eine architektonische Zeitkapsel des Schreckens und der Ideologie. Seit dem Jahr 2000 verfällt die Liegenschaft, in deren Zentrum das einstige Landhaus von Joseph Goebbels steht. Berlin, als Eigentümer der Fläche, hat das Interesse längst verloren – und das Geld erst recht. In einem ungewöhnlichen Deal überließ der Senat der Gemeinde Wandlitz das Gelände bis Ende 2027 zur unentgeltlichen Nutzung. Berlin zahlt die laufenden Kosten, Wandlitz liefert die Visionen.
Investorensuche unter Hochdruck
Doch Visionen allein sanieren keine baufälligen Denkmäler. Landrat Daniel Kurth (SPD) drückt nun aufs Tempo. Sein Ziel: Ein finanzstarker Nutzer, der die Kraft hat, die gewaltigen Sanierungskosten zu stemmen und dem Ort eine neue, „ordentliche“ Bestimmung zu geben. Kurth mahnt zur Eile: Schon in einem Jahr solle ein Investor gefunden sein, um dem fortschreitenden Verfall und der Gefahr weiterer Brände zuvorzukommen.
Die kommenden zwei Jahre sollen entscheidend werden. Mit Workshops, Kulturveranstaltungen und einer tiefgreifenden Bestandsanalyse will Wandlitz das Gelände aus seinem Dornröschenschlaf reißen und öffentlichkeitswirksam vermarkten. Es ist ein Balanceakt zwischen der Last der Geschichte und der Hoffnung auf eine moderne Nutzung in einer der begehrtesten Naturregionen Brandenburgs.
Ob sich tatsächlich ein Investor findet, der bereit ist, in die Schatten der Vergangenheit zu investieren, bleibt die Eine-Milliarde-Euro-Frage. In Wandlitz zumindest gibt man sich kämpferisch: Der Brand war ein Warnschuss, kein Schlussstrich.
