Entscheidung über Zukunft des ICC rückt näher

Foto: Taxiarchos228/FAL
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Berlin. Nach Jahren des Stillstands zeichnet sich für das Internationale Congress Centrum (ICC) in Berlin erstmals eine konkrete Perspektive ab. Der Berliner Senat will die Zukunft des markanten Gebäudes einem Investorenkonsortium anvertrauen, das das stillgelegte Kongresszentrum zu einem europaweit einzigartigen Kreativ- und Kulturstandort entwickeln möchte. Doch trotz ambitionierter Pläne bleiben erhebliche Zweifel. Weder ist die Finanzierung vollständig geklärt, noch stehen die wirtschaftlichen Erfolgsaussichten fest. Zudem könnten umfangreiche Bauarbeiten am Autobahndreieck Funkturm das Mammutprojekt zusätzlich erschweren.

Kultur statt klassisches Kongresszentrum

Bereits mit dem Start des Investorenverfahrens Ende 2024 hatte der Berliner Senat die Richtung vorgegeben: Das ICC soll künftig nicht mehr ausschließlich als Kongresszentrum dienen, sondern vor allem zur Heimat der Kreativwirtschaft werden. Während Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey einst das Pariser Centre Pompidou als Vorbild ins Spiel brachte, begegneten Experten dieser Vision von Beginn an mit Skepsis. Dennoch hielt die Landespolitik konsequent an der Idee fest, Kunst, Kultur und kreative Unternehmen als Motor für die Wiederbelebung des ikonischen Gebäudes zu nutzen.

Erfahrenes Konsortium soll den Zuschlag erhalten

Nach einem rund zweijährigen Auswahlverfahren blieb letztlich nur noch eine Bietergemeinschaft im Rennen. Nach Informationen aus der Senatsvorlage empfiehlt die eingesetzte Fachjury nun, den Zuschlag an das Konsortium rund um den Projektentwickler MIB zu vergeben. Zum Team gehören unter anderem renommierte Architekturbüros, das Bauunternehmen Hochtief sowie weitere Spezialisten für nachhaltige Stadtentwicklung, Architektur und Kreativprojekte. Gemeinsam wollen sie das denkmalgeschützte ICC umfassend modernisieren und gleichzeitig seinen einzigartigen Charakter bewahren.

Veranstaltungen, Galerien, Clubs und Ateliers geplant

Das Nutzungskonzept sieht eine Mischung aus Kultur, Veranstaltungen und öffentlichem Leben vor. Der große, denkmalgeschützte Saal 1 soll weiterhin für Kongresse und Veranstaltungen genutzt werden. Der gegenüberliegende Saal 2 soll dagegen grundlegend umgebaut werden und künftig als Ausstellungsfläche dienen. Ergänzt werden soll das Angebot durch Ateliers, Künstlerstudios, Galerien sowie Flächen für die freie Kulturszene Berlins. Auch gastronomisch soll das ICC deutlich attraktiver werden. Die frühere Pullman Lounge soll wiedereröffnet werden. Zusätzlich sind Restaurants, Bars und Clubs in mehreren kleineren Sälen vorgesehen.

Erdgeschoss soll zur öffentlichen Flaniermeile werden

Ein zentraler Bestandteil der Pläne ist die Öffnung des bislang weitgehend abgeschotteten Gebäudes für die Öffentlichkeit. Die große Passage im Erdgeschoss soll künftig dauerhaft zugänglich sein und sich mit kleinen Geschäften, Gastronomie sowie wechselnden Ausstellungen zu einer lebendigen Flaniermeile entwickeln. Auch das Mittelfoyer soll flexibler nutzbar werden und Raum für Kongresse, Events und kulturelle Veranstaltungen bieten.

Hochhaus soll Wirtschaftlichkeit sichern

Ein wesentlicher Bestandteil des Finanzierungskonzepts liegt außerhalb des eigentlichen ICC. Auf dem heutigen Parkplatz am Messedamm soll ein modernes Hochhaus entstehen. Dort könnten Büros, Wohnungen oder ein Hotel errichtet werden. Die Einnahmen aus diesem Neubau sollen einen erheblichen Teil der Finanzierung des denkmalgeschützten ICC ermöglichen und das Gesamtprojekt wirtschaftlich absichern. Auch das bestehende Parkhaus bleibt erhalten und könnte künftig um weitere Nutzungen wie ein Hotel oder Büroflächen ergänzt werden.

Finanzierung bleibt größtes Problem

Trotz der weitreichenden Pläne gibt es weiterhin erhebliche Unsicherheiten. Nach Angaben der Wirtschaftsverwaltung liegt bislang noch kein vollständig belastbares Finanzierungskonzept vor. Allerdings konnten die Investoren aufgrund der Vertraulichkeit des Auswahlverfahrens bislang noch keine Gespräche mit potenziellen Mietern oder Nutzern führen. Darüber hinaus müssen zahlreiche technische, denkmalrechtliche und bauliche Fragen erst noch geprüft werden.

Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch den geplanten Umbau des Autobahndreiecks Funkturm, der die Bauarbeiten am ICC in den kommenden Jahren erheblich beeinflussen könnte.

Wiedereröffnung frühestens Anfang der 2030er Jahre

Bereits im September soll zwischen dem Land Berlin und dem Konsortium eine Exklusivitätsvereinbarung abgeschlossen werden. Anschließend erhalten die Investoren zwei Jahre Zeit, um Finanzierung, Wirtschaftlichkeit und technische Machbarkeit nachzuweisen. Erst Ende 2028 soll das Berliner Abgeordnetenhaus endgültig über die Vergabe des Erbbaurechts entscheiden. Fällt diese Entscheidung positiv aus, könnten die Bauarbeiten 2029 beginnen. Eine Wiedereröffnung des traditionsreichen ICC gilt daher frühestens zu Beginn der 2030er Jahre als realistisch.

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